Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Öchwarzenherg-Legeditsch. 39 die mindeste Besorgnis« zu hegen; es bewährte sich auch jetzt wieder die loyale Gesinnung, sowie die Tüchtigkeit des Tyroler Volkes. Durch die jahrelange Bequartierung eines so starken Truppen-Corps belastet, ist nicht eine Beschwerde, nicht ein Fall von Widersetzlichkeit oder von Streitigkeiten vorgekommen. Freilich gibt dies auch ein ebenso gutes Zeugniss für die bei den Truppen herrschende Ordnung, Disciplin und Moralität. Nicht so standen die Dinge in den Uferstaaten des Boden­sees. Hier machte sich der zu neuem Leben erweckende Frühling, allerdings im ungünstigen Sinne, bemerkbar. In der mit politischen Flüchtlingen geradezu überfüllten Schweiz, dann in dem noch immer politischen Umtrieben ausgesetzten Baden und Württemberg, ja selbst in Bayern begann es wieder zu gähren. Der Ueberwaehung der Landesgrenze und des Personenverkehrs über dieselbe musste daher im Vereine mit den Civil-Behürden in erhöhtem Masse Auf­merksamkeit zugewendet werden. Es war ferner geboten und das Corps-Commando fand auch Mittel und Wege, verlässliche Nachrichten aus diesen Ländern auf confidentiellem Wege zu erhalten und wurde darüber von Zeit zu Zeit nach AVien berichtet. ln Württemberg steigerten sich wieder die Wirren und Spaltungen zwischen dem Könige, dem Vertretungs-Körper und den im Lande herrschenden politischen Parteien derart, dass der König neuerdings die Intervention österreichischer Truppen in's Auge fasste und sich nun diesfalls directe nach Wien wandte. FML. v. Legeditscli erhielt am 23. März von Fürst Felix Schwarzenberg die Verständigung, dass der König von Württem­berg dem kaiserlichen Cabinete die Absicht kundgegeben habe, in nächster Zeit zu energischen Massregeln zu schreiten, um das so sehr geschwächte Ansehen der königlichen Regierung wieder herzustellen und den Auftrag, sich sofort, jedoch mit Vermeidung alles Aufsehens, in volle Bereitschaft zu setzen, „um der Aufgabe, welche Ihrem Vorgänger im Commando, wie Ihnen selbst durch meine Instruction vom 10. Juni v. J. und 11. Januar d. J. gestellt worden ist, auf den ersten Ruf ohne irgend eine Verzögerung entsprechen zu können. Dieser Ruf wird Euer Hochwohlgeboren entweder von Sr. Majestät dem Könige von Württemberg, oder in dessen Aufträge von dem ltais. Geschäftsträger in Stuttgart,

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