Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 233 sandten erfolglos. *) Sie blieben es aber auch, weil man sich damals, wie aus einem Briefe des Czaren an den Fürsten Czartoryski vom 13. Januar 1813 hervorgeht, mit dem Plane trug, ein Königreich Polen, mit Russland durch Personalunion verbunden, zu gründen.2) Damit nun das Bündniss zustande komme, ohne den etwas eigensinnigen preussischen Abgesandten zu brusquieren, unterhandelte man über den Kopf Knesebecks weg direct mit Breslau. Dort war am 25. Februar der russische Staatsrath Anstett eingetroffen und überreichte am folgenden Tage den Vertrag, der am 27. in Breslau, am 28. in Kalisch unterzeichnet wurde. Russland verpflichtete sich darin, seinem Alliierten wieder zum Besitze Alt- Preussens zu verhelfen, wie es vor 1806 bestanden hatte; Friedrich Wilhelm III. verzichtete auf seine polnischen Besitzungen und sollte einen Landstrich erhalten, der Ost-Preussen mit Schlesien verband. Zur Herstellung eines starken Preussens waren Eroberungen in Kord-Deutschland, mit Ausnahme von Hannover, in Aussicht genommen. Russland wollte übrigens Preussens Bemühungen um englische Subsidien unterstützen — beide Mächte sollten bestrebt sein, Oesterreich zum Beitritt zur Allianz zu bewegen.3) Am 13. März theilte der preussische Gesandte in Wien, Wilhelm von Humboldt, dem österreichischen Cabinet den russisch- preussischen Vertrag mit; am 17. erhielt er die Antwort Metternichs, in der es hiess, der Kaiser hege den aufrichtigen Wunsch „es möchten die neuen Bande, welche der König mit Russland eben angeknüpft hat, Preussen unverzüglich in jenen Zustand der Kraft und des Gedeihens zurückkehren lassen, der am besteu geeignet ist, die Aufrechthaltung seiner Unabhängigkeit zu befestigen und der gleichzeitig am meisten den Wünschen Sr. Majestät entspricht.“ Gleichzeitig erklärte der Kaiser, auch weiterhin zu vertraulicher Verständigung mit dem Könige über die grossen Interessen des Augenblicks bereit zu sein. Ueber eine Unterredung, die Humboldt mit Metternich gehabt, nachdem die Märzaufrufe in Preussen erschienen waren, berichtete ersterer: „Von Neuem habe ich mich überzeugt, dass an der Wahrheit der Zusicherungen des Hofes von Wien kein Zweifel 1) Martens, Recueü, VII. Bd. pag. Gß. 2) Oncken, a a. 0. 1. Bd. pag. 224 u f. s) Oneken a. a. 0. I. Bd. pag. 254 u. f