Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

214 Criste. • . . • Die hiesige Volksstimmung ist durchaus gegen die Regierung, mehr oder weniger prononcieri sich Alles wider dieselbe, man hört selbst von Leuten, von denen man es nicht erwarten sollte, laut klagen; Schmähschriften und Pamphlets abgerechnet. Doch nach meiner Ueberzeugung verdient alles dieses im ernstlichen Calcül keine Rücksicht — wie es E. E. am besten selbst wissen, die Nation ist eigentlich nur stumpf und indifferent, sie würde eine Regierungsveränderung, wenn man sie durch ein Impromptu hersetzen könnte, gleichgiltig aufnehmen, aber sie wird der be­stehenden —- wenn der Druck auch noch grösser wäre, als er wirklich ist, blindlings gehorchen. Ja, ich glaube, dass es dem Kaiser sogar nicht an Mitteln fehlet, in grossen Gelegenheiten den Nationalsinn zu erwecken .... Die Zuflucht zu freiwilligen Beiträgen, die man genommen hat (die man bei uns 1809 so sehr tadelte), scheint mehr als alles Andere zu beweisen, dass man sich fühlet, schon zu ungewöhnlichen, die zerrüttete Kraft bewei­senden Massregeln Zuflucht nehmen zu müssen. Dieses wird uns wenigstens vor Drohungen schützen, die man sonst gegen andere Mächte so leicht angewendet hat.“ l) Von preussischer Seite war man vorläufig bemüht, den Kaiser zu beruhigen und ihm die Versicherungen treuer Ergebenheit zu übermitteln. Aus Berlin langten Briefe des französischen Gesandten ein, in welchen er seiner Regierung mittheilte, dass der König bereit sei, statt des abgefallenen Corps ein zweites von 20.000 Mann zur Verfügung des Kaisers zu stellen. Die Anhänglichkeit des Königs an den Kaiser, schrieb er, verdiene das höchste Vertrauen und man habe in Berlin sogar den Gedanken aufgeworfen, die Verbindung der beiden Monarchen durch die Heirath einer Prin­zessin aus dem kaiserlichen Hause mit dem Kronprinzen von Preussen noch enger zu knüpfen.2) Doch hatte der Gesandte Krusemark auch an die Schuld zu mahnen, die Preussen vertrags- mässig zu fordern berechtigt war. Aber darauf antwortete Napoleon nicht; er wich allen diesbezüglichen Fragen und Bitten aus, indem er den Gesandten an den Herzog von Bassano wies, während *) *) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Bubna’s vom 31. Januar 1813. a) Fain, Manuscript. I. pag. 177—183.

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