Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

198 Criste. und erläuterte dies auch jetzt ausdrücklich dahin, dass es sich hiebei um eine Wiederherstellung Oesterreich’s in die Verhältnisse des Friedens von Campo Formio handle, welcher allein eine Gewähr für die Ruhe und Unabhängigkeit Europa’s habe bieten können. *) Neipperg war angewiesen, vorläufig nichts anderes zu er­streben, als die Unterstützung der österreichischen Politik in ihren Bemühungen, einen Frieden herbeizuführen. Er hatte zu sagen, dass er, ohne übrigens in die Details eingeweiht zu sein, glaube, sein Monarch erstrebe auf friedlichem Wege gesunde und dauer­hafte Verhältnisse; wenn aber der Kronprinz, was wahrscheinlich der Fall sein würde, antworten werde, dass das beste Mittel, um zu diesem Ziele zu gelangen, der Bruch mit Frankreich sei, solle er als seine eigene Ansicht erklären, dass der Kaiser nicht be­greife, wie es möglich sei, aus beliebigen Gründen heilige Ver­pflichtungen zu brechen; dass Seine Majestät glaube, durch eine derartige Handlungsweise zweifellos den Charakter der Loyalität, welcher allezeit in hervorragender Weise die Politik Oesterreich’s ausgezeichnet, zu verleugnen; dass, wenn der gegenwärtige Krieg ein von den früheren Feldzügen verschiedenes Ergebniss zeige, dies nur dem besonderen Umstande zuzuschreiben sei, dass er ein ausschliesslich russischer und nicht einer jener Coalitionskriege gewesen, in welchen Oesterreich oder Preussen und ganz Deutsch­land den französischen Armeen die Subsistenzmittel geliefert und in welchen die erstem den Verbündeten Frankreich’s als Köder und als Entschädigungsobjecte gedient; dass es desshalb ein gefähr­liches Unternehmen zu sein scheine, diesen Charakter des Krieges zu ändern, ohne genügende und bereitstehende Mittel, um den Sieg zu entscheiden; dass aber, wie ihm (Neipperg) scheine, Oesterreich durch Schritte zu Gunsten des Friedens wohl dahin zielen könne, sich so viel als möglich einer politischen Unabhängigkeit zu nähern.x) In dieser Weise scheint das Programm des österreichischen Cabinets bereits deutlich genug angedeutet: Lösung des Bünd­nisses, das Oesterreich an Frankreich band, volle Unabhängigkeit *) Woynar, a. a. 0. Seite 407. !) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. AVeisung für Neipperg. (En chiffres.)

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