Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
18 Sacken. liehe Regierung' in Wien, in Folge dessen das Kriegs-Ministerium am 87. Juni die entsprechenden Weisungen an FML. Fürst Carl Schwarzenberg erliess. Sollte Freiherr von Handel nach empfangener Zusage der geforderten Bedingungen in die Lage kommen, k. k. Truppen als Besatzung für Ulm zu verlangen, so war nun Fürst Schwarzenberg beauftragt, 2000 Mann, daher mit Rücksicht auf den Stand 2 bis 3 Bataillone, nebst einer Batterie nach Ulm, unter einem in jedem Betrachte geeigneten Commandanten in Marsch zu setzen und an den von Württemberg zu ernennenden Festungs-Commandanten anzuweisen. Die Bedingungen, unter welchen diese Unterstützung gewährt werden sollte, lauteten: 1. dass von Seiten Württembergs gegen den Einmarsch unserer Truppen keine Schwierigkeiten erhoben werden; 2. ein tüchtiger und ganz verlässlicher General zu der Stelle eines Festungs-Commandanten von Ulm ausersehen und diesem 3. zur Pflicht gemacht werde, sofort nach dem Einrücken unserer Truppen, oder wenn er es wagen darf, schon bei ihrer Annäherung Ulm und dessen strategischen Rayon in Belagerungszustand zu setzen und diese Massregel mit aller Strenge zu handhaben. Diese Punctationen werfen ein grelles Streiflicht auf die damals in Württemberg herrschenden Zustände. Aus dem ersten Punct geht hervor, dass der Wille des Königs als gehemmt und eingeschränkt durch die Stimmung und die Ansichten des Ministeriums und der Kammer angesehen werden musste. Der zweite Punct legte das Schwergewicht auf die Verlässlichkeit des zum Commandanten von Ulm ernannten württembergischen Generals, also bestanden unter Umständen darüber Zweifel! Der dritte Punct spricht von der Erklärung des Belagerungszustandes als von einem Wagniss. Welche Zerrüttung der öffentlichen Zustände durch die Revolution ! Die königlich württembergischen Truppen erwiesen sich aber im weiteren Verlauf der Dinge als so tüchtig, treu und verlässlich, dass die Insurrection in Württemberg keine weiteren Fortschritte mehr machte und somit auch die Nothwendigkeit einer Hilfe von Seite der k. k. Truppen entriel.