Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
184 Criste. auch consequent die Thatsache, auf die schon Sporschil hingewiesen, „dass das Schicksal Europa's selbst nach Oesterreichs und Bayerns Beitritt gar manchmal von dem schwankenden Ausgange einer Schlacht, von nur 10—20.000 M. abhieng. die Napoleon nicht hatte, aber gar wohl hätte haben können“ und ganz zweifellos auch gehabt haben würde, wenn es damals die österreichische Politik für gut gefunden hätte, der Allianz nicht beizutreten. Gezwungen war ja im Grunde genommen Oesterreich gewiss nicht, in den Kampf gegen Napoleon zu treten, so wie man es in Kussland und Preussen war! Was die österreichischen Werke dieser Art anbelangt, so versuchen einige wenige, nicht immer besonders glücklich, einen Theil des Erfolges für die österreichische Diplomatie und die österreichischen Waffen zu erobern; die meisten beschränken sich darauf, das nachzuschreiben, was ihnen von preussischen Historikern vorgesagt wird, offenbar in der Absicht, ihre „wissenschaftliche Objectivität“ nachzuweisen ; eine dritte Kategorie endlich gibt sich, was gewiss auch weniger gut und richtig ist, alle erdenkliche Mühe zu rechtfertigen, wesshalb Oesterreich- damals gar so wenig gethan, wobei bekanntlich besonders Metternich als beliebter Prügelknabe dient. Als abschreckendstes Beispiel dieser Sorte von Geschichtsschreibung dürfen wohl die „Lebensbilder aus den Befreiungskriegen“ bezeichnet werden, die Hormayr doch nur geschrieben hat, um seinem Hass gegen Metternich Luft zu machen. Er hat es dabei bekanntlich nicht verschmäht, Actenstücke zu — corri- gieren! *) Da aber die österreichischen Darstellungen dieser Zeit überhaupt in verschwindender Minorität sind gegen die Hochflutli deutscher, speciell norddeutscher Werke, so gilt denn auch als ganz sicher, dass Metternich nur von Napoleon einige lächerlich kleine Gnaden zu erbetteln gesucht habe; dass Oesterreich schliesslich, da jener dazu nicht zu bewegen war, dem „Druck“ der Küssen und Preussen nachgeben und gezwungen der Allianz beitreten musste; dass Fürst Schwarzenx) Trotzdem die Unzuverlässigkeit und Gehässigkeit dieses Buches, von dem selbst Springer sagt, dass es „einige Tropfen Wahrheit in Eimern von Lügen“ enthalte, allgemein bekannt ist, wird es noch immer gerne als „(Quelle“ benützt. Als einziges Beispiel mag an die oft citierte Stelle in dem Briefe Nugent’s (Gottlob! Bonaparte weiss Alles, dürstet Kache und äussert sich höchst unbesonnen. Der Rückzug ist abgeschnitten.“ Lebensbilder. II. Th. S. 162) erinnert werden. Diese, bei Hormayr gesperrt gedruckte Stelle findet u. A. auch Theodor von Bernhardi (in den Denkwürdigkeiten Toll’s) mit vielem Behagen „in mehrfacher Beziehung merkwürdig“, da daraus erhelle, dass dem Wiener Cabinet keine „ganz freie Wahl“ mehr blieb. Nun ist aber diese ganze Stelle in dem Briefe Nugent’s von Hormayr eingeschoben. (S. Faber, Herr v. Hormayr und die Lebensbilder. Ygl. hierüber: Florencourt, Blätter für liter. Unterhaltung. 1845. Nr. 6—8.) Von der Unzuverlässigkeit der „Lebensbilder“ und von den verschiedenen Fälschungen aber hätte Bernhardi Kenntniss haben können und wohl auch gehabt, da das Buch Faber’s 1844, die Denkwürdigkeiten Toll’s jedoch viel später erschienen sind. (!. Aull. 1857. 2. Anfl. 1866.)