Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49. 179 Gran einem Vorrücken Görgey’s, welcher bei den günstigen Positionen der eingetroffenen Brigaden am rechten Gran-Ufer seine Marschlinie weit nach Norden verlegen musste, auf der kürzeren Linie entgegen zu treten, den Entsatz von Komorn dadurch zu hindern und auf diese Weise einen entscheidenden Enderfolg zu erringen. Die Brücken-Equipagen der Armee waren schon auf der Graner Strasse nach Dorogh vorausgesendet, um eine zweite Brücke bei Gran über die Donau zu schlagen, die Dispositionen für den Marsch ausgefertigt, als in der Nacht vom 13. auf den 14. April die Ab­berufung des FM. Fürsten Windisch-Graetz von der Armee eintraf. Im Hinblick auf die getroffenen Massnahmen konnte der Feldmarschall wohl mit Fug und Recht darauf rechnen, es werde ihm möglich sein, dem ihm bei Buda-Pest gegenüberstehenden Corps Aulich am 14. April noch eine Schlappe beizubringen und rasch darauf auf der kurzen, inneren Linie in einem starken Marsche hinter die Gran zu eilen. Er hätte sohin im Laufe des 15. mit einem Corps schon am linken Donau-Ufer sein können, ohne befürchten zu müssen, von den Truppen Görgey’s daran gehindert zu werden. Letzterer stand am 14. April mit dem 1. Corps bei Oroszi, mit dem 3. hei Ipolyságh und mit dem 7. bei Rútság und Waitzen, also in der Bewegung nach Nordwest begriffen und mit seinem Téte-Corps noch fünf Meilen von Kálna, dem beabsich­tigten Gran-Uebergangspuncte, entfernt. Da nun der Armee-Commandant ausser der Besatzung der Festung Ofen noch das Corps des Banus vor Pest zurückzulassen ge­dachte und mit allen übrigen Truppen, zusammen: 411 /,, Bataillonen, 44 Escadronen und 162 Geschützen im Dreiecke Kémend-Köbölkut- Párkány Aufstellung zu nehmen beschloss, so wäre wohl die Wahrscheinlichkeit nahe gelegen, dass er mit dieser, fast zur Hälfte aus frischen Truppen zusammengesetzten Streitkraft alle Aussicht hatte, gegen Görgey den vernichtenden Schlag zu führen. Ja selbst dann, wenn dieser dem drohenden Streiche aus- gewiclien wäre, was bei seiner entschiedenen Absicht auf Komorn indessen kaum anzunehmen war, oder wenn selbst der Erfolg der Schlacht nur ein halber gewesen sein würde, selbst dann hätte diese zweckmässig ausgedachte Gegenoperation ihre Früchte ge­tragen, weil sie den Fall von Komorn, das sich nach eigener, 12*

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