Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49

175 dem ungarischen Kriegs-Schauplatze ein, die der Natur der Sache nach und in Verbindung mit politischen Ereignissen ausserhalb Ungarns den Muth der Insurrection von Neuem hob. Die kaiserliche Armee, nunmehr zu schwach, um ohne das Eintreffen besonders glücklicher Zufälle vor dem Anlangen von Verstärkungen der Insurrection Herr zu werden, war unvermeidlich in die Defensive geworfen. Diese Defensive musste, wie dies FM. Fürst Windisch-Graetz in seinen Berichten stets betonte, vor allem den Entsatz von Komorn und soviel thunlich die Be­hauptung der Schwesterstädte Buda-Pest vor Augen haben, da diese das natürliche und vernünftige Angriffsobject des Gegners bilden mussten. Der kaiserliche Feldherr konnte diese Verstärkungen nur entweder durch den Fall von Komorn oder durch Zuzüge aus dem Innern der Monarchie, welche nach durchgeführter Recru- tierung und nach Beruhigung der Gemüther in Wien durch Ver­minderung der dort jetzt noch unentbehrlichen Truppen im Laufe des Monates April erwartet werden konnten, oder endlich im äussersten Nothfalle durch die Besetzung Galiziens seitens eines befreundeten, russischen Armee - Corps und Heranziehung der dortigen Truppen auf den ungarischen Kriegs-Schauplatz gewinnen. Darum behielt er die Armee bei Buda-Pest, um, auf die Haupt­städte gestützt, Komorn bei jeder feindlichen Bewegung im Auge behaltend, sich in offensiver Weise im Raume zwischen der Theiss und Donau jedes Anfalles durch die feindliche Macht kräftigst zu erwehren. Komorn, welches zu einer förmlichen Belagerung mehr Kräfte erfordert hätte, als im Augenblick verfügbar waren, dann auch mit Rücksicht auf die Jahreszeit nur sehr schwer belagert werden konnte, wurde seit Mitte Januar von drei Brigaden eng cerniert. Der erste Vorstoss der Armee führte gegen das unter Dem- binski auf der Miskolczer Strasse heranrückende feindliche Heer, das am 27. Februar bei Kápolna geschlagen wurde. Kurz darauf, am 8. März, concentrierte sich die Armee in der Stellung zwischen Kecskemét und Cegléd, um die Haupt­städte gegen einen Angriff durch die Corps von Klapka und

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