Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. 151 PERS0ENLICHKE1TEN UND PERSOENLICHE EINDRÜCKE. Die beiden hohen Generale, welche einander im Ober-Com- mando des Corps folgten, gehörten zu jenen damals typischen Er­scheinungen in den europäischen Armeen, wie sie jetzt durch die Wandlungen der Anschauungen und Dinge immer seltener werden, eigentlich auf dem Aussterbe-Etat stehen. Es herrschte zu jener Zeit noch die schöne Sitte, dass die ersten Cavaliere des Reiches sich fast ausnahmslos dem Soldaten­stande widmeten. Mittelst des Avancementrechtes der Regiments- Inhaber und auch sonst durch raschere Beförderung, durcheilten sie die militärischen Grade und gelangten in verhältnissmässig jungen Jahren in hohe Chargen und Stellungen. Wenn auch nicht immer die Befähigtesten, so brachten sie doch ausnahmslos hoch zu schätzende militärische Eigenschaften mit: ritterlichen, echt soldatischen Geist, persönliche Tapferkeit und — was mitunter recht erwünscht, treffliche Repräsentation und äusseren Glanz. FML, Fürst Carl Schwarzenberg. Eine solche „typische Er­scheinung“ war der kaiserliche FML. Fürst Carl Schwarzenberg; bekanntlich aus einer der ersten und reichsten Familien des Reiches stammend, aber sich mit Leib und Seele dem Dienste des Kaisers in der ruhmreichen Armee widmend, heute im ärm­lichen Städtchen Bregenz, wo damals nur ein Landgasthaus minderen Ranges zu finden, morgen in den Prunkräumen des Regierungs-Palastes der stolzen lombardischen Hauptstadt. Leider war ihm hier nur ein bescheidener Wirkungskreis bescliieden, aber wir haben ihn als gediegenen Charakter, als denkenden, tact vollen General kennen gelernt. Ihm, wie seinem berühmten Vetter Fürsten Felix Schwarzenberg ward kein langes Leben bescliieden — zum Missgeschicke Oesterreichs! Eine zweite, damals noch bestehende Gruppe von Generalen war jene, welche von der untersten Stufe des Soldatenstandes an, in die höchsten militärischen Chargen gelangten. Dermalen ist das rasche Fortkommen des Officiers von so umfassendem Wissen, von so vielfachen und vielartigen Prüfungen abhängig, dass nur jene

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