Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Schwarzeuberg-Legeditseli. 127 Die Bevölkerung im Allgemeinen, die höhere Gesellschaft, ist uns in Hamburg auf das freundlichste entgegen gekommen, was gewiss von uns Allen mit Dank anerkannt wird; im Uebrigen haben wir aber nie die geringste Veranlassung gehabt, uns irgend­wie zu Dank und Anerkennung verpflichtet zu fühlen. Wenn man auch durch die häutig gebrauchte Bezeichnung „zeitweilig in Hamburg bequartierte k. k. Truppen“ u. dgl. den Anschein zu geben wünscht, als wären wir ungebetene, gleichsam nur tolerierte Gäste, so ändert dies doch im Wesentlichen in der Sache nichts und Avir können uns darüber hinaussetzen. Wir stehen in Hamburg, weil wir von Bundeswegen in Holstein sein müssen und weil unter den obwaltenden Umständen Hamburg nicht unbesetzt bleiben kann; wir werden und müssen daher in Holstein und folglich auch in Hamburg bleiben, bis uns ein Bundes­beschluss abruft. 18.000 -Mann k. k. Truppen mit 100 Geschützen, wo immer sie auch stellen, können nicht blos toleriert sein, sondern müssen unter allen Umständen und bis zu den äussersten Consequenzen die Würde ihrer Regierung und in diesem Falle auch des deutschen Bundes, in dessen Namen sie agieren, sowie ihre eigene Ehre aufrecht zu erhalten und zu wahren wissen. Bedauernswertlie Vorfälle haben sich ereignet. Zeitungs-Redacteure, weiche Tag für Tag die infamsten Schmähartikel über die kaiserliche Regierung und ihre Organe, über unsere Militär-Institutionen und über die geheiligte Person unseres Monarchen und Kriegsherrn selbst mit frecher Stirn veröffentlichen und sich nicht entblöden, offenbare Verleumdungen einzelner Truppenkörper und Individuen in Um­lauf zu setzen, sind von demoralisierten Gerichten freigesprochen; Personen, welche überführt wurden, k. k. Soldaten zum Treubruche und zur Desertion verleitet zu haben, sind zu lächerlichen Geld­strafen von wenigen Thalern verurtheilt worden. Ich admittiere nicht die häufig beliebten Hinweisungen auf England und auf andere Leute, die weniger empfindlich gewesen sein sollen. Wir sind eben empfindlich und wir leben nicht in England, wo beiläufig gesagt, eine solche Wirthschaft gar nicht denkbar wäre. Es ist nur zu begreiflich, dass unsere braven, an­hänglichen, in solcher Weise täglich gereizten und in Allem, was ihnen heilig, beschimpften und verhöhnten Soldaten endlich zu einem

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