Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

!) Chnqnet II, 27. beabsichtigte. Er liess sich hiebei mehr von politischen, als von militärischen Erwägungen leiten. Der Einfall einer französischen Armee in die damals nur von wenigen Truppen besetzten Nieder­lande werde, so rechnete Dumouriez, eine sofortige Trennung der Oesterreicher von den Preussen herbeiführen. Die ersteren würden zur Deckung der Niederlande herbeieilen und die Preussen, durch zahlreiche an den Verbindungen zurückgelassene Detachements ohnehin schon geschwächt, nicht im Stande sein, die Offensive allein fortzusetzen. Der eventuelle Verlust einiger Festungen machte Dumouriez wenig Sorge. „Was liegt daran,“ schrieb er an Servan,1) wenn der Feind sich der Festungen Longwy, Montmédy, Verdun bemächtigt. Der Einmarsch in Belgien wird die ganze Kriegslage zu unseren Gunsten ändern.“ Wenngleich dieser Plan vom militärischen Standpuncte aus nicht unbedingt gutgeheissen werden kann, weil das nächste Operations-Object für alle französischen Kräfte ja doch immer die Invasions-Armee bleiben musste, so zeigt er doch, dass Dumouriez die politischen Verhältnisse bei seinen Gegnern genau übersah. Das österreichisch-preussische Bündniss war, wie er ganz richtig vermuthete, keineswegs so gefestet, dass die Bedrohung der Sonder­interessen des einen der Alliierten diesen nicht hätte veranlassen können, die den gemeinsamen Zielen entsprechend eingegangenen Verpflichtungen hinter jene zurücktreten zu lassen, welche die eigene Sicherung geboten erscheinen liess. Auch musste Dumouriez mit den moralischen Factoren der ihm unterstehenden Truppen rechnen; er hoffte den Geist derselben durch eine erfolgreiche Offensive neu zu beleben und scheute davor zurück, seine Soldaten zur Vertheidigung der Maas, der Argonnen oder gar der Marne zurückzuführen. Der Kriegsminister konnte sich mit den Plänen Dumouriez’ nicht befreunden und hielt an dem Gedanken fest, dass zuerst die Invasions-Armee geschlagen werden müsse, bevor an Eroberungen zu denken sei. Allein trotz wiederholter Aufforderungen Servan’s, sich an die Spitze des bei Sedan stehenden Corps zu stellen und die Vereinigung mit der Centrum-Armee anzustreben, versuchte Dumouriez alles Mögliche, um den Kriegsminister für seine Idee

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