Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

90 Hausenblas. Grafen von Provence unterzeichnet und ergieng nicht im Namen der Befehlshaber der Verbündeten, sondern in jenem der Brüder des Königs. Sie wurde jedoch noch an demselben Tage mit der Bemerkung zurückgewiesen, „dass man die allgemeine Lage Frank­reichs nicht kenne, dass die Festung immer dem Gesetze, der Nation und dem Könige treu geblieben sei und blos von den bevollmächtigten Districts - Behörden Befehle entgegennehme.“’) Man glaubte im Hauptquartier der Verbündeten diese ablehnende Haltung dem Einflüsse des 103. „eines enragierten“ Regiments zuschreiben zu sollen, welches in den letzten Tagen des August aus Paris eingetroffen war,* 2) doch dürften wohl mehr noch die Agitationen des Jacobiner-Clubs dazu beigetragen haben, die Be­völkerung gegen die Uebergabe zu stimmen. Eine zweite, am 5. September ergangene Aufforderung hatte denselben negativen Erfolg. Nunmehr wurde in der Nacht zum 6. September mit dem Bombardement begonnen, doch führte bei der geringen Tragweite der nächst der Capelle St. Anna zur Verwendung gelangten 12 Geschütze (sechs Haubitzen und sechs 12pfündige Kanonen) auch dieses nicht zu dem erwünschten Resultate. Wohl gelang es, die Geschütze bis auf 400 Schritte an das Glacis heranzubringen und ihre Geschosse zündeten an einigen Stellen der Stadt; da die Dächer aber in Folge anhaltender Regengüsse stark durchnässt waren, fiel es der Bevölkerung nicht schwer, der Verbreitung des Brandes Einhalt zu thun. Die Bescliiessung hatte bereits eine Stunde gedauert, bevor das Feuer von den Wällen der Festung erwidert wurde; jetzt ward dasselbe jedoch umso lebhafter und nicht nur gegen die kaiserlichen Batterien am linken Mosel-Ufer, sondern auch gegen Marschall Castries gerichtet, der wegen des verzögerten Transportes seiner Geschütze erst gegen Morgen in den Kampf eingreifen konnte. Das überlegene Feuer der Franzosen nöthigte die Kaiserlichen ihre Geschütze zurückzuziehen und auch Castries musste wieder seine frühere Position bei Ober-Jeutz auf­suchen. Der erste Versuch, sich Thionville’s zu bemächtigen, war gescheitert. Wenn er den Oesterreichern im Allgemeinen nur ') K. A. 1792; XHI, 4. S. 32. 2) Zeissberg, Eh. Carl u. Prinz Hohenlohe-Kircliberg. S. 25.

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