Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 75 Die Nachricht von der Absetzung des Königs gelangte in Montfort in das preussische Hauptquartier und rief hier, wie begreiflich, die grösste Aufregung hervor. König Friedrich Wilhelm II. erachtete in einem möglichst raschen Vormarsch auf Paris das einzige Mittel, die Monarchie in Frankreich noch zu retten und auch der Herzog von Braunschweig scheint in dem ersten Augenblicke dieser Ansicht gewesen zu sein, denn noch am 14. August schrieb er an Hohenlohe: „Wenn man den König, der bereits abgesetzt ist, noch retten will, ist Eile nöthig. . . . Anders aber als den Krieg in das Herz Frankreichs zu spielen, wird schwerlich die Sache bald zu endigen sein.“ ') Doch musste das Gefühl der Unzulänglichkeit der eigenen Kräfte bald zu der Erkenntniss führen, dass ein günstiges Resultat kaum mehr zu erwarten sei. Es blieb daher bei der ursprünglichen Bestimmung, über Longwy zunächst gegen die Maas zu operieren, um die Vereinigung der Armee Lafayette’s mit jener Luckner’s zu verhindern, was bei der Unthätigkeit der beiden französischen Heerführer auch möglich war. Hohenlohe erhielt den Befehl, seinen Marsch zu beschleunigen, um wenigstens die Vorhut und die leichten Truppen in den Raum zwischen Mosel und Saar vorzutreiben. Dadurch sollte der noch immer bei Richemont und Fontoy stehende Luckner festgehalten und verhindert werden, gegen die preussische Armee zu detachieren.2) Braunschweig selbst beabsichtigte, sich zunächst mit der ganzen Armee gegen Longwy zu wenden und auch das Corps Clerfayt gegen diesen Punct zu dirigieren. Die preussische Armee sollte diesen Platz von Süden, Clerfayt von Norden einschliessen. General Köhler und die Emigranten hatten bei der Annäherung der Hessen aus der Gegend von Tawern und Conz abzumarschieren und den Mosel-Uebergang bei Remich einstweilen für solange zu besetzen, bis Hohenlohe daselbst eingetroffen sein würde.3) Demgemäss rückte die preussische Vorhut am 18. von Fri- singen nach Kail, am 19. nach Crusnes, bestand an diesem Tage ein kleines Gefecht gegen Truppen des Generals Depres-Crassier und ging am 20. nach Villers-la-Montagne vor. Das Gros mar1) K. A. 1792; VIH, 65. 2) K. A. 1792; VIH, 95. 3) K. A. 1792; VIH, 128.