Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 73 sicht des begonnenen Krieges, die Bekämpfung der Revolution und die Befreiung des Königs, sehr fraglich machten. Der Kampf zwischen den Anhängern des constitutioneilen Königthums und jener Partei, welche die Volkssouverainetät als alleiniges Regierungs- princip anerkannte, war immer heftiger geworden und in den ersten Tagen des August hatte die radicale Bewegung vollständig die Oberhand gewonnen. Der Ruf nach einer Suspension des Königs, nach seiner Versetzung in Anklagezustand wurde immer lauter und das Manifest des Herzogs von Braunschweig wurde für die Revolutionspartei zum willkommenen Agitationsmittel. Der König Avurde des directen Einverständnisses mit den Feinden des Vaterlandes beschuldigt und der Hass gegen König und Königthum immer mehr geschürt. War es bisher die National-Versammlung, welche über Anträge zu entscheiden hatte, so erwuchs ihr jetzt in der Commune, welche alle revolutionären Elemente in sich vereinigte, ein ebenso mächtiger, als gefährlicher Gegner. Am 3. August sprach sich der Maire von Paris, Pátion, für die Absetzung des Königs aus. Am 6. brachten die Föderierten in der National-Versammlung den Antrag ein, den König Ludwig XVI. in Hinkunft so zu betrachten, als habe er abdiciert. Noch weigerte sich die National-Versammlung, die Beschlüsse der Commune anzuerkennen, aber die Haltung der Nationalgarde war äusserst schwankend und unverlässlich. Die National-Versammlung besass kein Mittel mehr, um der Commune entgegenzutreten, sie besass hiezu auch nicht den Willen und die Jacobiner herrschten bereits vollständig in ihr. Am 10. stürmte der Pöbel die Tuilerien. Noch einmal stand die Entscheidung auf der Spitze des Degens, die Schweizergarden und eine Zahl Edelleute waren bereit, für den König, mit dem König zu sterben, noch Avar der Sieg möglich, der König aber hatte in der schweren Stunde vergessen, dass er der erste Edelmann sei, er zeigte sich schwach, er opferte seine Getreuen und begab sich, um Schutz zu finden, in die Nationalversammlung. Damit war sein Untergang besiegelt. Die Jacobiner verlangten die Absetzung des Königs, die constitutionelle Nationalversammlung verläugnete ihr eigentliches inneres Wesen nicht, sie gab Avillig nach und Ludwig XVI. Avurde als Gefangener behandelt. Die öffentliche Gewalt ging in die Hände jener Partei über, zu deren Bekämpfung die Verbündeten ausgezogen waren und