Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

54 Hausenblas. Krönung Franz II. zum römisch - deutschen Kaiser. Conferenzen von Mainz. Manifest der Verbündeten. Während dieser militärischen Vorbereitungen zu dem Kriege gegen die französische Revolution war die Diplomatie nicht müssig gewesen, aber die Verhandlungen zwischen den Verbündeten hatten wieder politische Gegensätze zu Tage gefördert, die dem so noth- wendigen militärischen Einklang bei der bevorstehenden kriegerischen Action leicht gefährlich werden konnten. Der seit dem Abschlüsse des österreichisch-preussischen Bündnisses verflossene Zeitraum war ein viel zu kurzer, um auf die alte Rivalität zwischen den beiden Staaten nachhaltig aus­gleichend einwirken zu können und wiederholt machten sich die früheren Gegensätze geltend, so dass es beiderseits vieler Nach­giebigkeit bedurfte, wenn das Unternehmen gegen Frankreich nicht ernstlich ins Stocken gerathen sollte. Der im Monate Mai erfolgte Einmarsch russischer Truppen in Polen, sowie die Bemühungen Preussens, durch neue Erwerbungen in Polen für die mit dem Kriege gegen Frankreich verbundenen Kosten Ersatz zu erhalten, verknüpften die polnische Frage noth- wendig mit den französischen Angelegenheiten und drohten, ernste Verstimmungen zwischen den neuen Verbündeten wachzurufen. Während Preussen sich sehr geneigt zeigte, der von Russland geplanten neuen Theilung Polens zuzustimmen, erachtete Oesterreich die Erhaltung des Restes von Polen für wünschenswerther. Eine Folge hievon war, dass die zwischen König Friedrich Wilhelm II. und der Kaiserin Katharina geführten Unterhandlungen in der polnischen Frage hinter dem Rücken Oesterreichs geführt und schon dadurch geeignet wurden, Misstrauen bei dem Wiener Hofe zu erwecken. Die Sache wurde nicht besser, als dem von Oesterreich aus­gehenden Vorschläge, die Niederlande gegen Bayern auszutauschen, in Preussen der heftigste Gegner erstand und das kaum geschlossene Biindniss zwischen den beiden Staaten neuerlich gefährdet erschien. Mitten in diese mannigfachen, das politische Einvernehmen unter den Grossmächten sehr beeinträchtigenden Gegensätze fiel, gleichsam als ein ablenkender und ausgleichender Act, die Wahl des Königs von Böhmen und Ungarn zum römisch-deutschen Kaiser und dessen Krönung als Kaiser Franz II.

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