Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

angenommen, dass jeder Canton2) 5 bewaffnete Leute, darunter einen zu Pferde, am 14. Juli zum Nationalfeste nach Paris zu schicken habe. Auf diese Weise kamen 20.000 Mann zusammen, welche man Föderierte nannte und im Lager von Soissons in Bataillone formierte. Am 11. Juli wurde das Vaterland in Gefahr erklärt und die Aufstellung von abermals 42 Nationalgarde-Bataillonen anbefohlen, so dass die Zahl derselben nun auf 256 gestiegen war. Am 17. Juli ergieng eine Aufforderung an sämmtliche Gemeinden Frankreichs, über die bereits bestimmte Zahl von Ba­taillonen noch so viele Bataillone, Compagnien, ja selbst Züge aufzubringen, als die betreffende Gemeinde im Stande sei auszurüsten, zu bekleiden und zu bewaffnen. Weiters wurde beschlossen, die aufzustellenden Frei-Compagnien auf 45 zu je 200 Mann zu vermehren, sowie Fremdenlegionen zu bilden. Thatsächlich gab es auch eine Zeit hindurch eine Legion der Allobroger, der Belgier, der Lütticher und eine batavische Legion. Später wurde noch die Aufstellung von Freiwilligen-Jäger- Compagnien zu 100 Mann angeordnet und sogar durch ein Decret vom 2. August jedem feindlichen Deserteur, der in die französische Armee eintreten würde, ein Handgeld von 50 Livres, sowie eine Alterspension jährlicher 100 Livres zuge­sichert. Eine zwangsweise Recrutierung sollte die bei der Linien-Armee abgängigen 50.000 Mann ersetzen und schliesslich wurde jedem der vier Armee-Commandanten ein Rayon zugewiesen, aus welchem er die Hälfte der Grenadier- und Jäger-Com­pagnien der sesshaften Nationalgarde zur Formierung neuer Bataillone entnehmen konnte. Frankreich machte, wie immer, wenn es von einer Invasion bedroht ist, die grössten Anstrengungen, %m seine Wehrkraft zu erhöhen. Doch kamen 1792 nur wenige dieser jungen Schöpfungen mehr zur Verwendung,b auch war ihr innerer Werth naturgemäss ein sehr zweifelhafter. Später vereinigte man diese Neuforma­tionen in den LagemNvon Chälons, Soissons, Rheims und Troyes, um hier ihre militärische Ausrüstung und Ausbildung ernstlich in Angriff' zu nehmen. Hier bildeten sie jene grossen Reservoirs, welche immer wieder ergänzt, den Heeren der Revolution das Materiale lieferten, um in den folgenden Feldzügen stets mit so grossen Massen auftreten zu können. 4) Lafayette an Luckner. Lafayette IH, 363. 2) Die Departements waren in Cantone eingetheilt. Eine einheitliche Leitung oder ein einheitlicher Operations­plan bestanden 1792 in Frankreich kaum dem Namen nach. In der zweifellos kritischen Zeit, in der es sich darum gehandelt hätte, alle verfügbaren Feldtruppen zu concentrieren und den Heeren der Verbündeten entgegenzuwerfen, stand Oberst Lajard, ein ehemaliger Adjutant Lafayette’s, an der Spitze des französischen Kriegs-Ministeriums. Er üherliess es Lafayette und Luckner, einen Operationsplan gegen die Alliierten gemein­schaftlich festzustellen.')

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