Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Unruhen in Galizien 1846

Unruhen in Galizien 1846. 33 zum Ausbruche, wodurch sich natürlich der Effect des geplanten Hauptschlages abschwächte. Dies und mehr noch die grosse Zer­splitterung der insurrectionellen Kräfte machen es erklärlich, dass die äusserst geringen Besatzungs-Truppen von Galizien zur Unterdrückung der Bewegung hinreichten und eine Gegen­revolution der Bauern gegen die sie bedrückenden Edelleute möglich wurde. Man schätzt die Zahl der Bewaffneten, welche der Insur­rection im westlichen Galizien, dann im Krakauer und im Posener Gebiete zur Verfügung standen, auf mehr als 20.000 Mann, sie sammelten sich aber in Banden von höchstens 2000 Köpfen und auch diese hatten keine einheitliche Leitung; die Folge davon war, dass die Erhebung den Charakter von Zusammenrottungen annahm, die höchstens zu unbedeutenden Geplänkeln führten. Nur in der im Jahre 1815 gebildeten Republik Krakau war der Ausbruch der Revolution thatsächlich erfolgt. Dort hatte man schon am 16. Februar durch das Verhalten der Bevölkerung be­stimmte Anzeichen für denselben. Krakau stand unter dem Schutze der drei Theilmächte. Der österreichische Resident daselbst, Hofrath Baron Palmrode, benachrichtigte hievon den kaiserlichen General Collin, der mit einer Truppenabtheilung in Podgorze, am jenseitigen Weichsel-Ufer stationirt war, und forderte ihn zum Ein­schreiten auf. Collin rückte am 18. Februar Früh mit 8 Compa­gnien, 1Y-2 Escadronen und 3 Kanonen, ca. 1000 Mann, in Krakau ein. Die Hälfte der Mannschaft waren Recruten und per Mann waren nur 12 Patronen vorhanden. In Podgorze blieben drei Com­pagnien und eine halbe Escadron als Besatzung zurück. Am 18. und 19. Februar fiel in Krakau nichts vor. Ueber Bitte der politischen Behörden entsandte General Collin am 18. 3 Commanden zur Aufhebung von Emissären und Waffendepöts in das Gebiet des Freistaates Krakau. Je ein Subalternofficier ging mit Detachements in der Stärke von 17—25 Mann nach Jaworzno, Chrzanow und Krzeszowice. Am 20. Abends hatte General Collin Veranlassung, die förmliche Besetzung von Krakau anzuordnen. In der Nacht zum 21. fanden die ersten kleinen Zusammenstösse statt; an diesem Tage verstärkte sich die Insurrection durch bedeutende Zuzüge aus der Um­gebung und einzelne Banden hatten gleichzeitig die Detachements Kriegs-Chronik OesterreidtuUngarns. 45

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