Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1788-1789 in Galizien und der Bukowina
12 Feldzug 1788—1789 Königreich; Russland den östlichen Theil von Lithauen bis zur Düna und dem Dnjeper; Preussen das im Thorner Frieden (1466) an Polen abgetretene West-Preussen ausser Danzig und Thorn und den Netzedistrict. Der König von Polen und der Reichstag wurden gezwungen, die abgetrennten Länder — ein Drittheil ihres bisherigen Gebietes — förmlich abzutreten. Die zur Abschüttelung des russischen Joches geführten Kämpfe der Polen führten in den Jahren 1793 und 1795 zur zweiten und dritten Theilung Polens. Oesterreich erhielt einen Theil der Woiwodschaft Krakau mit der Hauptstadt Krakau, die Woiwodschaften Sandomierz und Lublin, Podlachien und Masowien, welche ansehnliche Erwerbung unter dem Namen West-Galizien mit dem übrigen Galizien vereinigt ward. Feldzug 1788-1789 in Galizien und der Bukowina. Quellen: Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr. Verfasst im k. k. Kriegs- Archive. — Oesterreischische-militärische Zeitschrift. Jahrgang 1824, IV. Bd., und Jahrg. 1826, I. Bd. — Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. Im Frieden von Rustschuk-Kainardschi (1774) hatte Russland die Hand zur Zertrümmerung des osmanischen Reiches angelegt. Ein zweiter Schritt war mit der Eroberung der grossen und reichen Länderstrecken der Tataren geschehen. Die völlige Durchführung und Verwirklichung der russischen Pläne im Oriente war ohne Mitwirkung Oesterreichs nicht zu erreichen; Oesterreich hingegen erwartete von dem Bündnisse mit Russland die Einschränkung der wachsenden preussischen Macht und wurde überdies durch die Erwägung zur Allianz gedrängt, dass die Monarchie durch Passivität bei Lösung der orientalischen Angelegenheiten sich aller Vortheile begehen würde, welche ihr, im Gegenfalle, aus dem Zusammenbruche der Türkei erwachsen mussten. Oesterreich verpflichtete sich daher im Jahre 1787, Russland gewaffneten Beistand zu leisten, falls die erbitterte Stimmung in Constantinopel eine kriegerische Verwicklung herbeiführen würde. Am 24. August 1787 erklärte die Pforte den Krieg an Russland.