Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte

8 Vorgeschichte. Wladislaw III. ward durch seine Aspirationen auf die Krone Böhmens und Ungarns bemerkbar. In Polen wusste er der Ein­schränkung der königlichen Gewalt durch den Adel nicht entgegen­zutreten. Unter seinem Bruder Casimir IV. (1447—1492) litt das Land durch Kämpfe mit dem nach einer Sonderstellung ringenden Lithauen, noeh mehr aber durch die Einfälle der Tataren. Auch in der Moldau und gegen die Landritterschaft Preussens führte Polen langwierige Kriege. Als Casimir IV. gleich seinem Vorgänger die Besitznahme der Krone Böhmens und Ungarns durch einen Jagellonen anstrebte, ward er in einen langen und unglücklichen Krieg mit Ungarn verwickelt, doch behauptete sein Sohn Wladislaw die Krone Böhmens und erlangte späterhin, im Jahre 1490, auch jene Ungarns. Dagegen konnte Casimir IV. nicht hindern, dass im Osten Theile des Polenreiches abgebröckelt wurden. Im Jahre 1492 gelangte sein Sohn Johann I. Albrecht in den Besitz der polnischen Krone. Ein Angriff Johann I. auf die Moldau endete unglücklich. Die Belagerung von Suczawa musste abgebrochen werden (1496) und auf dem Rückzuge erlitten die Polen in den Wäldern der Bukowina eine solche Niederlage, dass die Reste ihres Heeres sich nur mit Mühe den Flussübergang bei Czernowitz zu erkämpfen vermochten. Unter Johann I. und Alexander (1501—1506) schlugen die Tataren dem Lande tiefe Wunden. Sigmund I. (Casimir IV. jüngster Sohn) erwehrte sich tapfer der Angriffe Russlands auf Lithauen, dann der Verheerungszüge des Fürsten der Moldau und der Tataren. Als sich der Hochmeister Albrecht von Brandenburg mit Russland verband und zur Lehre Luther’s übertrat, nahm Sigmund I. das Land Preussen dem deutschen Orden ab und verlieh es seinem Neffen Albrecht von Brandenburg im Vertrage von Krakau am 8. April 1525 als weltliches Herzogthum unter der Lehenshoheit Polens. Im Jahre 1526 fiel das Herzogthum Masowien nach dem Erbrechte an Polen zurück. Sigmund II. August (1548 bis 1572) wehrte im Jahre 1549 einen Angriff der Tataren bei Tarnopol ab und schlug ein moldauisches Heer von der Grenze zurück. Den Orden der Schwertbrüder in Lievland zwang er zur Auflösung und schlug die Russen, welche sich in die lievländischen Angelegenheiten mengten, im Jahre 1565; das gleiche Schicksal theilten die Schweden bei Reval.

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