Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte
4 Vorgeschichte. VII. Jahrhunderts erreichte die Wanderung der slavisehen Völker ihren Abschluss. Um diese Zeit wohnten russische Stämme westwärts bis an die Karpathen und an den San und hatten sogar einzelne Schaaren bis an die Alpen und an das Adriatische Meer entsendet, während von der Weichsel bis zur Elbe die Ljechen (Lechiten, Polen) sich feste Sitze errangen. Am Dunajec ixnd der oberen Weichsel gelangten die Chrobaten zur Sesshaftigkeit, an welche sich längs der Oder die kleinen Stämme der Trebowanen und Zlesanen anreihten. Die letztgenannten drei Völkerschaften wurden Unterthanen des mährischen Reiches. In Gross-Polen hatte um die Mitte des IX. Jahrhunderts das kriegerische Geschlecht der Piasten die Herrschaft erlangt. Mieszko, angeblich der vierte Herrscher aus diesem Hause, wurde um das Jahr 962 dem deutschen Reiche botmässig; sein Reich war durch die Böhmen eingeschränkt, die das Quellengebiet der Weichsel unterwarfen, und durch den russischen Grossfürst Wladimir, der sich im Dnjester-Gebiete festsetzte. Boleslaw I. (992—1025) hatte sich bis zum Jahre 1000 Chrobatiens (Klein-Polens), Krakaus und beträchtlicher Theile von Ober-Schlesien bemächtigt. Muthmasslich folgte diesen Eroberungen die Unterwerfung von Mähren und der Slowakei. Böhmen besass er nur vorübergehend, dagegen verdrängte er dauernd den Grossfürsten Wladimir aus seinen Dnjesterbesitzungen. Im Jahre 1025 wurde Boleslav I. zum König von Polen gekrönt. Sein Nachfolger Mieczislaw II. und dessen Sohn Casimir I. büssten einen Theil der Eroberungen wieder ein. Wladislaw I. (1079—1102J führte wenig rühmliche Kriege mit Ungarn und Böhmen. Er ward gezwungen, seine Herrschaft mit seinen Söhnen Zbigniew und Boleslaw zu theilen; Letzterer erhielt Breslau, Krakau und Sandomierz. Boleslaw III. (1102-—1139) eignete sich später die Alleinherrschaft an. Er unternahm einen Verwüstungszug nach Preussen und unterstützte mit Erfolg die Ungarn gegen Deutschland. Boleslaw III. mengte sich auch wiederholt in die Streitigkeiten der russischen Fürsten um den Besitz des Gebietes von Wladimir (Lodomerien) und Przemysl, und von 1132—1134 in die Thronfolge-Angelegenheiten von Ungarn. Dem Tode nahe, theilte er Polen unter seine vier älteren Söhne so, dass Wladislaw Krakau und Schlesien, Boleslaw Masowien und Kuja-