Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Aufstand in Süd-Dalmatien 1869-1870
Der Aufstand in Süd-Dalmatien 1869 — 1870. 511 Mit dem blutigen Zusammenstosse bei Ledenice am 7. October waren demnach die Feindseligkeiten eröffnet worden und die Insurgenten zögerten nicht, ihren Erfolg auszuntitzen. Der in der Krivosije zum Ausbruche gelangte Aufstand griff alsbald in die südlich der Bocche gelegenen Districte Zupa und Pastrovic hinüber und während die im Lande zerstreuten kleinen Gendarmerie-Posten von den Empörern theils überfallen und vertrieben, theils ermordet wurden, ward das Festungs-Commando in Cattaro durch die entsprechende Besetzung aller Communicationen mit Erfolg verhindert, sich mit den einzelnen Forts in Verbindung zu setzen und die zumeist nur aus wenigen Mann bestehenden Besatzungen derselben zu verstärken oder mit Proviant zu versehen. Gleichwohl glaubte der ebenso thätige als entschlossene Bezirkshau ptmann von Cattaro schon zwei Tage nach dem unglücklichen Gefechte bei Ledenice noch einen Versuch machen zu sollen, dem am meisten gefährdeten Fort Dragal Unterstützung zuzuführen und setzte sich zu diesem Behufe mit den Aufständischen in Verbindung, um sie zur Gewährung freien Durchzuges für eine kleine Truppen-Abtheilung zu bestimmen. Dieses Ansinnen wurde zwar rundweg abgeschlagen, die Krivosijaner erklärten sich jedoch bereit, ein eventuell an die Besatzung des Forts gerichtetes Schreiben uneröffnet dem Commandanten zu überbringen, und sandten in der That zwei ihrer Leute mit dem ihnen anvertrauten Schriftstücke dahin ab. Die Besatzung von Dragal, über die vorangegangenen Ereignisse jedenfalls in Kenntniss und durch diese, sowie die eigene ganz exponirte Lage doppelt misstrauisch geworden, scheint die Absicht jener zwei bewaffneten, sich dem Fort nähernden Männer missverstanden zu haben, denn diese wurden mit Gewehrschüssen empfangen und niedergestreckt. Dadurch ward die in der von Natur aus wilden und gewaltthätigen Bevölkerung der Bocche schon vorhandene Erbitterung allenthalben zur Raserei gesteigert und die Behörden mussten sich zu energischem Einschreiten entschliessen. Nachdem ein solches mit den in Dalmatien vorhandenen Streitkräften von vornherein ausgeschlossen erschien, erbat sich der Gouverneur, FML. von Wagner, vom Reichs -Kriegsministerium die nöthigen Verstärkungen, verhängte über das aufständische Gebiet den Ausnahms-(Belagerungs-)Zustand und liess durch Ueberführung