Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849

Der Krieg in Ungarn 1848—1849. 477 ging, ohne von den ebenfalls in Gefechtsbereitschaft stehenden Russen im mindesten beirrt zu werden, zum Angriffe über. Erst als die ungarischen Tirailleurs sich in den Weingärten ausbreiteten, suchten Kosaken-Abtheilungen den rechten Flügel Bern’s zu um­gehen, wurden aber durch das Kartätschenfeuer desselben ver­trieben. Nur die russische Infanterie leistete hartnäckigen Wider­stand und konnte erst durch des Gegners bedeutende Uebermacht zum Rückzüge in die verschanzten Vorstädte gezwungen werden. In diesen setzten die Russen den Kampf mit grösster Zähigkeit fort und Bem wollte das Gefecht bereits abbrechen, als das Ein­treffen eines Detachements unter Oberstlieutenant Bethlen ihn ver- anlasste, den Sturm ohne weiteres Zögern vorzunehmen. Seine Ueber­macht errang abermals den Erfolg und um 9'/2 Uhr Abends rückten die Ungarn in die Stadt ein, welche die Russen in der Richtung von Schellenberg verlassen hatten. Das österreichische Corps gelangte indessen nach Schässburg, fand dort keinen Gegner mehr vor und erhielt dafür die Nach­richt von den Ereignissen in Hermannstadt. Anstatt dahin nach­zurücken und Bern, dessen Truppenmacht sich allerdings fast stündlich vermehrte, zwischen zwei Feuer zu bringen, marschirten die Kaiserlichen nach Fogaras, um dort und an der Freker Brücke die Alt-Uebergänge zu besetzen. Bern, der bereits eine starke Brigade zur Beobachtung der Russen nach Vesteny (Westen) detachirt hatte, führte am 15. März eine Colonne persönlich gegen dieselben, welche bei Boicza am Rothenthurm-Passe lagerten, und drängte sie in einem heftigen Gefechte nach der Walachei zurück. Mittlerweile suchte Oberst­lieutenant Bethlen mit einer starken Brigade die Oesterrreicher auf, welche in den beiden bereits -erwähnten Aufstellungen den Rückzug ihrer Haupttruppe nach Kronstadt zu decken suchten. Oberst Czetz verdrängte mit dem Gros der Bem’schen Armee die kaiserlichen Vortruppen bereits am 13. März aus Fenyőfáivá (Girelsau) und wollte am 15. die Stellung an der Freker Brücke forciren, allein die ausgesendeten Patrouillen brachten die Nachricht, dass die Oesterreicher in der Nacht vorher diese Position aufge­geben hatten und die schwache Nachhut, mit der noch einige • Schüsse gewechselt worden, ihrem Gros nachgefolgt sei. Czetz marschirte nun nach Ucsa, besetzte am 16. Fogaras und am Boicza. Girelsau. (Fenyőfáivá). Freker Brücke.

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