Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849
470 Der Krieg in Ungarn 1848—1849. Tihuca. Gálfalva. Szőkefalva. Balázstelke. GrossScheuern. b) In Siebenbürgen. In Siebenbürgen ergriff Bem nach wenigen Tagen der Ruhe, welche ihm die strenge Kälte des Winters aufgenüthigt hatte, abermals die Offensive und drängte die Oesterreicher am 3. Januar 1849 in einem blutigen und hartnäckigen Kampfe bei Tihuca in die Bukowina. Im Besitze des nördlichen Siebenbürgen mit den wichtigen Städten Bistritz und Klausenburg, konnte Bern nunmehr seine Operationen gegen das Thal der Kockel und gegen Hermannstadt richten. Er versah Bistritz mit einer entsprechenden Besatzung und wandte sich mit dem Gros gegen Maros-Vásárhely, das er am 13. Januar ohne Kampf besetzte, da die kleine kaiserliche Besatzung in Eile gegen Mediasch abmarschirt war. FML. Puchner hatte indessen seine Streitkräfte bei Hermannstadt concentrirt und rückte hierauf über Mediasch gegen Maros-Vásárhely vor, wobei er am 16. Januar im Thale der kleinen Kockel bei Gálfalva auf die Vorhut Bern’s stiess. Die Kaiserlichen trieben ihre Gegner im ersten Anlaufe aus diesem Orte, wurden aber, als letztere immer grössere Massen in das Gefecht führten, gegen Szökefalva gedrückt. Hier fassten die österreichischen Truppen wieder Posto und leisteten am 17. Januar den zähesten Widerstand, erlagen aber schliesslich der Uebermacht des Gegners und gingen in Unordnung nach Mediasch und von dort nach Hermannstadt zurück. Der linke Flügel der Ungarn verfolgte die Retirirenden bis Balázstelke, wo es noch zu einem lebhaften Reitergefechte kam. Am 19. Januar besetzte Bern Stolzenburg, wohin auch Oberstlieutenant Czetz von Thorda aus gewiesen worden war. FML. Puchner hatte in der Zwischenzeit nichts versäumt, Hermannstadt in Vertheidigungszustand zu setzen. Die alten Festungswerke waren ausgebessert und mit Geschützen versehen, neue Fortificationen errichtet und die Strassen durch Barricaden gesperrt worden. In der Nacht des 20. Januar erschien Bern in Gross-Scheuern (Nagy-Csür), alarmirte und vertrieb die österreichischen Vorposten und griff am 21. Januar in der sicheren Ueberzeugung, dass Czetz mit seinen Streitkräften rechtzeitig an dem Gefechte theilnehmen werde, den FML. Puchner bei