Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849
456 Der Krieg in Ungarn 1848—1849. Tisza-Füred. Arad. trieben denselben auch vom rechten Fluss-Ufer. Hoviger machte in diesem sonst bedeutungslosen Gefechte 200 Gefangene und befreite eine grosse Anzahl kriegsgefangener österreichischer Officiere und Militär-Beamter. Görgei, von den Russen im Norden gedrängt, konnte seine Hoffnung jetzt nur noch auf die Maros-Linie und den Rückzug nach Siebenbürgen setzen. Als aber auch Déva in den Besitz der alliirten Truppen gelangt war, wurde die Lage der ungarischen Armee vollends eine verzweifelte. FML. Schlik liess zwischen dem 12. und 15. August die Festung Arad vollständig einschliesssen und hierauf zur Uebergabe auffordern. Der Commandant, General Damjanich, ertheilte zwar eine abschlägige Antwort, übergab den Platz aber schon am 17. August an eine russische Abtheilung. Nach dem Gefechte bei Tura war der FM. Fürst von Warschau mit dem Hauptquartier und dem 2. Armee-Corps am 22. Juli nach Hatvan und am 23. bis Gyöngyös marschirt. Als er hier die Nachricht erhielt, dass der Gegner bereits bei Miskolcz stehe, beschloss der Feldmarschall, denselben mit einem Corps festzuhalten, mit dem Gros aber bei Tisza-Füred die Theiss zu überschreiten und Görgei die Rückzugslinie nach Debreczin abzuschneiden. Nach diesem Plane eilte der General Gortschakow mit der 5. Infanterie- Division und einer Brigade der 2. leichten Cavallerie-Division nebst einem Kosaken-Regimente von Gyöngyös nach Kerecsend und am 25. Juli nach Poroszló. Tisza-Füred war von 4000 Mann mit 4 Geschützen, welche am linken Theiss-Ufer Schanzen aufgeworfen hatten, besetzt. General Gortschakow liess am 25. Juli den Feind durch überlegenes Geschützfeuer vom rechten Theiss-Ufer verdrängen. Am folgenden Tage vertrieben die Russen, die in der Nacht drei Jäger-Bataillone auf Pontons überschifft hatten, die Ungarn aus ihrer jenseits der Theiss befindlichen Position und folgten den Retirirenden bis Tisza-Füred. Der Feldmarschall verlegte am 27. Juli sein Hauptquartier nach dem genannten Orte, während das 3. Armee-Corps, welches den Marsch über Erlau genommen hatte, erst am 28. daselbst eintraf. Görgei verblieb indessen in seiner Stellung am Sajó und bedrohte aus dieser die Communicationen der russischen Armee mit Galizien.