Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)
' « !■ ..........»- f '■’»*> a ~ - ■ ’ ■ Die kritische Lage fand in dem tapferen Obersten den richtigen Mann. Er nahm nicht an; dass Latour zurückgeworfen, der Angriff missglückt sei, was in Wirklichkeit geschehen, die Lage und das Schweigen von drüben liess ihn vermuthen, „dass der Feind jenseits der Stadt zurückgetrieben worden und sie in die Stadt eingedrungen wären.“ Und so griff er denn herzhaft an. Die Idee, beide Thore beschiessen zu lassen, gab er auf, er schickte 2 Compagnien und einige Chevauxlegers auf die Strassen gegen Valenciennes und Douay zur Beobachtung derselben und wendete sich mit seinen letzten 4 Compagnien gegen die Stadt, deren Mauern der Feind besetzt und deren Thore er versperrt hatte. Oberst Keim führte seine Abtheilungen gedeckt durch die Douayer Vorstadt gegen das gleichnamige Thor, vor dem er ohne Verluste bis auf 30 Schritt ankam. Während nun die Oesterreicher das Feuer gegen den Feind auf der Mauer und hinter den Schiessscharten eröffneten, zog Keim seine 2 Kanonen und eine Haubitze heran, um das Thor einzuscliiessen. Kugel auf Kugel schlug durch, die starken Thorflügel waren durchsiebt, aber die Schlösser und Angeln hielten, das Thor öffnete sich nicht und brach nicht ein. Die Zeit drängte, noch war nichts zu erfahren von der Colonne Latour. Da machten sich die wackeren Zimmerleute von Bender an die Arbeit und binnen kurzer Zeit wurde im heftigsten feindlichen Feuer das Thor eingeschlagen. Oberst Keim brach mit seinen Vorder-Oesterreichern, er selbst Allen voran, in die Stadt ein, Abtheilungen rechts und links auf die Wälle — die gleichzeitig an mehreren Puncten erstiegen wurden, so vom Capitain- Lieutenant Freiherrn von Crailsheim mit der Leib-Compagnie — entsendend, um diese vom Feinde säubern zu lassen. Die Franzosen eilten in voller Flucht gegen die entgegengesetzten Thore. Die Compagnien drangen in Zugs-Colonne durch die Hauptstrasse gegen das Thor von Valenciennes hinab, es wurde wenig mehr geschossen, die Soldaten machten, was ihnen in den Weg kam, mit dem Ba- jonnett nieder. Die völlig zersprengten Feinde, die noch in der Stadt waren, liefen nun theils dem Thor von Tournay, theils jenem von St. Amand zu, welche durch den Rückzug Latour’s frei geworden waren. Oberst Keim wendete sich, nachdem er das Valencienner Thor besetzt hatte, nun auch gegen das Tournayer Thor, von welcher Richtung her das Feuer wieder heftiger wurde.