Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)
Durchführung dieser Aufgabe das Leib-Bataillon und 4 Compagnien des Obersten-Bataillons von Bender (Nr. 41) unter Commando des Obersten Keim, das Leib-Bataillon von Franz Ulrich Kinsky (Nr. 36), 2 Compagnien Dandini-Jäger unter Commando des Majors Dandini, dann je 1 Escadron von Blankenstein-Husaren und Latour- Chevauxlegers. Die Franzosen feierten am 14. Juli ihr Revolutionsfest und da vorauszusetzen war, dass nach den üblichen Erscheinungen solcher republikanischer Feste die Wachsamkeit am folgenden Tage eine sehr verminderte sein werde, wurde der 15. Juli zur Ausführung des Ueberfalles bestimmt. FML. Latour brach in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli von Tournay auf und marschirte in einer Colonne bis Mouchain, wo er seine Truppen theilte. Oberst Keim mit seinen 10 Compagnien Bender (Nr. 41), dann je eine halbe Escadron Husaren und Chevauxlegers sollte über Nomain vorrücken, das Städtchen rechts (westlich) umgehen und sich der Thore von Douay und Valenciennes bemächtigen, während das Bataillon Kinsky (Nr. 36), die Dandini-Jäger und die anderen beiden halben Escadronen unter Latour’s persönlicher Leitung der geraden Strasse mit der Absicht folgten, die Thore von Tournay und St. Amand zu nehmen. Die Bewegung dieser Colonne war zu rasch und nicht auf den Umweg berechnet, den Oberst Keim machen musste, abgesehen davon, dass die offene Strasse ein frühzeitiges Entdecktwerden doch zu sehr begünstigte. Kaum eine halbe Stunde vom Städtchen entfernt, stiess die Vorhut Latour’s, Dandini-Jäger, gegen halb 2 Uhr Morgens auf eine französische Patrouille, die alsbald die Besatzung alarmirte, welche rasch vor dem Tournayer Thore, wo sie auch ihre 3 Kanonen aufpflanzte, sich zum Gefechte formirte. Ein starker Nebel erschwerte die Őrientirung, die österreichische Vorhut befand sich desshalb plötzlich und unvermuthet dicht unter den Mauern der Stadt, aus der sie mit Kartätschen- Schüssen empfangen wurde. Nicht nur die Jäger, sondern auch das nachfolgende Bataillon Kinsky (Nr. 36), bei dem Niemand unterscheiden konnte, von welcher Seite die Schüsse gefallen waren und das sich umgangen glaubte, geriethen etwas in Unordnung. FML. Latour hoffte zunächst unter dem Schutze seiner Artillerie die Ordnung wieder hersteilen zu können und liess ein lebhaftes Feuer gegen den Feind eröffnen. Damit gewannen die französischen