Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)

Der Feldzug in den Niederlanden 1792. 97 wesen sein, der Tag des Föderations-Festes, aus welchem Anlasse Lafayette und Luckner nach Paris zu gehen beabsichtigten.*) In wie weit Luckner in den Plan Lafayette’s eingeweiht oder mit demselben einverstanden war, ist nicht genau zu con- statiren.a) Thatsache jedoch ist, dass während Luckner nach Paris reiste, der grösste Theil seiner Feldtruppen, 15 Bataillone, 31 Es- cadronen, circa 19.000 Mann, am 12. Juli aus den Lagern von Famars und Maubeuge (nach Heranziehung einiger Bataillone und Escadronen von Maulde) aufbrachen,3) an diesem Tage bis Lan­x) Lafayette an Lally vom 8. Juli 1792. Lafayette, Mémoires III, 344 und 507. 2) Während der Anwesenheit Luckner’s in Paris zur Zeit des Festes vom 14. Juli machte dieser die Aeusserung, Lafayette habe ihn aufgefordert, mit beiden Armeen nach Paris zu marschiren. Lafayette gibt dies in seinen Memoiren nicht zu und beruft sich auch auf einen Brief Luckner’s, worin Dieser selbst die ihm in den Mund gelegte Aeusserung ableugnet, wobei jedoch zu bemerken ist, dass dieser Brief geschrieben wurde, um die gegen Luckner erhobenen Anklagen der National-Versammlung zu widerlegen. In seinen Memoiren versichert Lafayette blos, den König aufgefordert zu haben, nach Compiégne zu reisen, wo er ihm seine treuesten Truppen zur Verfügung stellen wollte, dagegen veröffentlicht Lally Tollendal in seinen Aufzeichnungen einen Brief Lafayette’s, worin dieser nicht nur den Rettungsplan näher entwickelt, sondern auch schreibt, er habe Luckner aufgefordert, mit den beiden Armeen nach Paris zu marschiren, wenn es die Sicherheit des Königs erforderlich machen würde. Dieser Brief fand sich jedoch unter den Manuscripten Lafayette’s nicht vor. Die Darstellung Lally Tollendal’s, der den Brief 1795 publicirte, hat überhaupt wohl nur den Zweck, Lafayette in den Augen der Oesterreicher, die ihn nicht als Kriegs-Gefangenen, sondern als Feind des Königshauses behan­delten, in ein günstigeres Licht zu stellen. Es ist somit nicht genau erwiesen, wie Luckner sich zum Plane Lafayette’s verhielt. 3) K. A. 1792; VII, 47,89. Es rückten ab: Aus dem Lager von Famars die Feld-Bataillone der Infanterie-Regimenter Nr. 1, 5, 22, 24, 44, 74, 81, 89, 90 und wahrscheinlich die Grenadiere des Regiments Nr. 45, die Feld-Escadronen des Cavallerie-Regiments Nr. 8, der Dragoner-Regimenter Nr. 3, 14, 17, des Husaren-Regiments Nr. 3, des Jäger-Regiments zu Pferd Nr. 1, der Cavallerie- Regimenter Nr. 1 und 2, 3 Nationalgarde-Bataillone und das Bataillon Belgier, zusammen 13 Bataillone, 22 Escadronen, eine reitende Batterie (neu errichtet); aus dem Lager von Maubeuge das Feld-Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 49, die Feld-Escadronen des Cavallerie-Regiments Nr. 3, Dragoner-Regiments Nr. 5, Jäger-Regiments zu Pferd Nr. 5, 1 Nationalgarde-Bataillon 1, zusammen 2 Batail­lone, 7 Escadronen; aus dem Lager von Maulde das Cavallerie-Regiment Nr. 10 und wahrscheinlich die Grenadiere der Regimenter Nr. 56, 78; aus den Grena­dier-Compagnien der Linie und Nationalgarde wurden wieder 6 Grenadier- Bataillone gebildet. Mitth. des k. und k. Kriegs-Archivs, Neue Folge. VI. 7

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