Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Der zweite Krieq Kaiser Karl VI. qeqen die Türken 1736-1739. Quellen: Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Hamraer-Purgstall, Ge­schichte des osmanischen ßeiches. — Oesterreichische militärische Zeitschrift 1818 und 1833. — Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs, Jahrgang 1881. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. Während die Waffen des Kaisers in Folge der Verwicklungen, welche die Thronfolge in Polen herbeigeführt hatte, in Italien und am Rheine beschäftigt waren, drohte Ungarn neuerdings der Schauplatz blutiger innerer Unruhen zu werden. Die Serben befürchteten den nach den Entwürfen des Prinzen Eugen zu einer Festung ersten Ranges erhoben werden. Im Laufe des Winters suchte die Pforte mehrmals um Waffenstillstand an, wurde aber mit ihrem Begehren immer abgewiesen. Die türkischen Bevollmächtigten langten gegen Ende April in Pozarevac an und einen Monat später begann der Grossvezier bei Adrianopel eine Armee von angeblich 60.000 Mann zu con- centriren. Um dieselbe Zeit sammelte sich die ansehnlich verstärkte kaiserliche Armee bei Sémiin, in welchem Orte der Prinz am 8. Juni eintraf. Da die Friedensverhandlungen einen überaus schleppenden Verlauf nahmen, suchte Eugen den Gang derselben durch eine Scheinbewegung seiner Armee zu beschleunigen. Neun Cavallerie-Regimenter und zwölf Bataillone passirten die Donau und lagerten bei Belgrad, während G. d. C. Graf Mercy mit seinem Corps gegen Uj-Palánka und Orsova aufbrach. Auf die Nachricht von diesen Bewegungen setzte sich der Grossvezier von Adrianopel gegen Nisch in Bewegung und ein türkisches Corps von 10.000 Mann marschirte längs der Drina gegen die Donau heran. Diese Operationen hatten aber weiter keine Erfolge, da am 21. Juli zu Pozarevac der Friede unterzeichnet wurde, in welchem dem Kaiser von der Pforte das Gebiet von Temesvár, ein Theil von Bosnien, Serbien bis zum Timok mit Belgrad und die sogenannte kleine Walachei, zwischen der Donau und Aluta, abgetreten wurde. Einige Tage später gelangte auch ein sehr vortheilhafter Handelsvertrag zwischen dem Kaiser und der Türkei zum Abschlüsse.

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