Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1716. 245 • Peterwardein. vollständig gesichert. — Der Beginn der Schlacht hei Peterwar- dein wurde durch einen widrigen Zufall um einige Stunden ver­zögert. Ein Sturmwind hatte in der Nacht Schiffmühlen los­gerissen und durch sie die beiden Brücken so beschädigt, dass die nachrückenden Colonnen aufgehalten wurden und der Angriff der Kaiserlichen erst um 7 Uhr Morgens des 5. August ausgeführt werden konnte. Die Türken hatten die Bewegung der kaiserlichen Truppen rechtzeitig wahrgenommen und sich ebenfalls in Schlachtordnung gestellt. Ihre Reiterei postirte sich jener des Prinzen gegenüber und die Janitscharen besetzten die Laufgräben, hinter welchen eine ansehnliche Reserve Stellung nahm, allein der starke linke Flügel wurde vom Grossvezier so ungünstig postirt, dass er auf den Gang der Schlacht ganz ohne Einfluss blieb. Nach dem Befehle des Generalissimus begann der FZM. Prinz Alexander von Württemberg den Angriff. Er bemächtigte sich in wenigen Minuten der vor ihm placirten feindlichen Batterie und FM. Pálffy, der mit der Reiterei zur Attaque nachfolgte, warf die türkische Cavallerie über den Haufen. Schlimmer stand es um den rechten Flügel und um das Centrum der Kaiserlichen. Beim Hervorbrechen aus den Verschanzungen gerietli das Fussvolk in einige Unordnung, und wenn auch die Janitscharen aus ihren vor­dersten Posten vertrieben wurden, blieb dem Gegner die einge­tretene Verwirrung doch nicht verborgen. Die Türken benützten dieselbe schnell und drängten die Infanterie bis hinter die zweite Verschanzung zurück. Schon begannen sie diese zu ersteigen, als die Reiterei der beiden Flügel und die intacte Reserve unter FZM. Löffelholz die Ordnung herstellten und der Infanterie Zeit gaben, sich zu sammeln. — Prinz Eugen erkannte sofort, dass der Feind in der Hitze seines Vorstosses die beiden Flanken vollends entblösst hatte. Alexander von Württemberg vollführte eine Schwenkung nach rechts, attaquirte zum zweiten Mal und die Rei­terei der beiden Flügel rückte, Alles vor sich niederwerfend, in geschlossenen Massen vor, während die Infanterie, diesmal in un- zerreissbaren Frontlinien, vorging und erst auf die denkbar gering­sten Distanzen ihr mörderisches Feuer abgab. Die Türken, von drei Seiten angefallen, wichen und suchten sich bald in regelloser Flucht zu retten. Die Janitscharen blieben ohne alle Unterstützung, 18*

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