Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)
Am Abend des 22. Juli, dem Tage, auf welchen, nach den mit England - Hannover am 24. Juni geschlossenen Conventionen, der Beginn der Operationen der gegen Preussen in Bündniss-Yer- handlungen stehenden Mächte, festgesetzt war — traf Graf Browne in der sächsischen Hauptstadt ein1). Am darauffolgenden Tage hatte der General Audienz bei den beiden Majestäten. König August erklärte, dass es an ihm nicht fehle, seine Truppen stünden seit dem Monat Mai für die Königin Maria Theresia bereit und es hänge nur von dem hannoverschen Hofe ab, die Zeit des Aufbruches der Truppen, sowie des Beginnes der Operationen zu bestimmen und ihm mitzutlieilen. In Dresden werde man in zwei Mal vierundzwanzig Stunden bereit sein. 2) Während FML. Graf Browne in unthätigem Abwarten auf die Rücksendung des hannoverisch-sächsischen, zur Approbation nach Hannover an den König von England gesendeten Operations- Planes zu Dresden zurückgehalten wurde, waren in Hannover wo König Georg weilte, die für die Sache der Königin verhängniss- vollsten Entschliessungen gefasst worden. Auf die schwankende und zaudernde Politik des Trägers der englischen Krone hatten die Unglücksfälle in Süd-Amerika, Admiral Vernon’s Missgeschick bei Cartagena den trübsten Eindruck gemacht. Die üblen Nachrichten aus Frankreich, welche die Aufstellung einer an der Mosel gegen Hannover aufzustellenden französischen Armee von 40.000 ') Graf Wratislaw an Graf Neipperg; Dresden, 23. Juli 1741. Gräflich Neipperg’sches Archiv und Relation des FML. Graf Browne. H. H. u. St. A. Friedens-Acten; Fase. 23. 2) Graf Browne an Graf Neipperg, Dresden, 24., Juli 1741. Gräfl. Neipperg- sches Archiv. »Ich meines wenigen Erachtens sorge, soviel abnehmen kann, unsere Alliirten werden uns amusiren. um Zeit zu gewinnen, dass der Sommer passire und haben keine rechte Lust, vom Leder zu ziehen. Der russische Minister hier, Baron Keyserlingk. sagt, sein Hof warte nur, dass Sachsen und Hannover ihre Truppen marschiren lassen, so werden die ihrigen gleichfalls marschieren, allein wann keine Partie den Anfang machen will, was wird endlich aus der Sache werden, diesemnach solches nicht 22. hujus, wie geschehen sollen, sondern vielleicht auch noch nicht den 22. August. Ich habe S. M. dem König hier in der Audienz vorgestellt, er sollte die Freundschaft für unsere Allergnädigste Frau, haben, den Anfang mit seinen zu machen und solche marschiren lassen, so dürften die anderen desto mehr Muth fassen, dem Beispiel zu folgen; worauf er mir geantwortet, marschirt ist bald, allein wer kann mich versichern, dass die anderen hernach folgen werden.«