Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)

Zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges. 241 Es ist ein preussischer Bösewicht hier, Namens Freiherr von Morgenstern, welcher einmal auf des verstorbenen Königs Befehl eine Disputation de stultitia auf Deutsch gehalten, wovon die theses noch roulieren. Dieser schwätzt dem gemeinen Manne gol­dene Berge vor, und ist Ursache, dass wohl gegen 100, solche nichtshabende und nichtswürdige Menschen schon Freitags zum Commissariat Abends um 10 Uhr gegangen und gebeten, womit der König von der gesammten Stadt die Huldigung anverlange, haben aber doch diese Conditiones gesetzet, 1. dass sie dieses Jahr keine Steuern geben dürfen, 2. Handel und Wandel wieder eröffnet und nicht gestört würde und 3. die Stadt keine Garnison einnehmen dürfte; worauf sie, weil ihrer so wenig, um 11 Uhr zurückgeschickt und mehrere dieses Sinnes zu machen, anermahnt worden.!) Hierauf hat nun der Magistrat gleich Deputirte an’s Commissariat des anderen Tages abgeschickt und sich beschwert, dass man durch Anhörung dergleichen Leute Anlass zu Aufwiege­lungen in der Stadt gebe, sich derselben Namen zu decouvrieren gebeten; so man aber refusiert und gemeldet, dass man darum nicht gefragt und sie mit ihrem petito abgewiesen hätte, um nichts der Stadt Nachtheiliges dem König anzurathen. Es könnte ganz leicht sein, dass der König, welcher schlechten Leuten gerne viel glaubt, vor die Stadt rückte, allein es ist nicht vorzusehen, dass er anjetzt durch eine noch so gut klingende Capitulation herein­gelassen würde, dann man desselben Verfahren nunmehr ganz überdrüssig, weil das ehemals in Conventione gegebene Wort ganz anders, als versprochen ausgedeutet werden will.“ Man wünsche in der Stadt nichts sehnlicher, „als ein ansehn­liches Detachement von unserer Armee zu sehen, welches sich des Domes bemächtigte, und sodann um eingelassen zu werden, Pro­positionen von Versicherung alter Privilegien machte, so würden die Thore ihnen bald eingeräumt, und was Ansehnliches von preussischen Effecten zur Beute werden. Man hat gehofft und zugleich sehnlich gewünscht, dass das jetzige Corps es thun würde, allein es soll sich wieder gegen Namslau gezogen haben.“ l l) Vergl. Grünhagen’s »Friedrich der Grosse und die Breslauer in den Jahren 1740 und 1741«, pag. 153 u. f. und desselben Verfassers „1. schles. Krieg“, Bd. 1, pag. 235 u. f. a) K-.A. Schlesien 1741; Fase. VII, ad 44 d. Mitth. des k. und k. Kriegs-Archivs, Neue Folge, V. 16

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