Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)
Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 21 Frankreich war gegen Ende des 18. Jahrhunderts eines der cultivirtesten und trotz der vielfachen" Schädigungen des Nationalwohlstandes reichsten Länder Europas. Mit immensen Hilfsquellen durch den Reichthum, die Güte seines Bodens und durch die Industrie seiner Bewohner ausgestattet, begünstigt durch seine klimatischen Verhältnisse, begrenzt durch zwei Meere, in welche eine grosse Zahl schiffbarer und durch Canäle verbundener Flüsse münden, hatte dieses grosse Reich die elende Wirthschaft Philipp von Orleans und Ludwig XV. auch finanziell zu überdauern vermocht, bis die Schrecknisse und Wirren der Revolution Handel und Wandel in Stockung brachten und die bisher schon grosse, aber immerhin noch getragene Schuldenlast in das Ungeheure und Unerträgliche ansteigen liess. Frankreich hatte zur Zeit der Revolution ein Areale von ungefähr 550.000 km* 2 und 25 Millionen Einwohner,1) welche in etwa 400 grossen, 1500 kleinen Städten und 10.000 Flecken und Dörfern wohnten. Industrie und Handel überragten im Allgemeinen die Boden- cultur und die sehr zurückgebliebene Viehzucht, so dass Frankreich damals jährlich für mehr als 145 Millionen Livres2) landwirtschaftliche Producte einführen musste. Es geschah wenig für die Urbarmachung vieler brachliegender Districte, weil es an Geld, wie an gutem Willen fehlte, man zog vor, mit dem Capital in den Colonien und in auswärtigem Handel zu speculiren. Der Theil des französischen Gebietes zwischen der belgischen Grenze und der Somme, südöstlich durch die Oise und Sambre, nordwestlich durch das Meer begrenzt, die ehemaligen Provinzen Flandern, Artois, Picardie zählte, zu den fruchtbarsten und bevölkertsten G ebieten Frankreichs, welches von hier aus einen namhaften Theil seines Lebensmittelbedarfes bezog. Der Landstrich producirte hauptsächlich Kornfrucht, namentlich Weizen, dann Gemüse, Geflügel, Schlacht- und Zuchtvieh. Der Theil von Lothringen zwischen Neufchateau, Moyenvic, Thionville und St. Michel war gleichfalls mit Getreide und Hafer >) Gegen 36V2 Millionen im Jahre 1866, zu welcher Zeit der Flächenraum annähernd jenem vom Jahre 1792 entsprach. 2) Ein Livre etwa 1 Frank (39'7 kr. ö. W.).