Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

16 Hausenblas. allgemeinen Anarchie führen.“ t) In der National-Versammlung aber wurde jede österreichische Note als ein Eingriff in die inneren Ange­legenheiten Frankreichs erklärt und das Geschrei nach Krieg immer lauter. In der Sitzung vom 10. März brachen sich die Leiden­schaften vollends Bahn. Oesterreich wurde auf das heftigste ange­griffen und Brissot suchte in einer feurigen Rede den Beweis zu erbringen, der Krieg gegen Franz II. sei so gut wie eröffnet, da die Frist bereits verstrichen sei, die man zur Abgabe jener Erklärung gestellt habe. Das noch einigermassen royalistische Ministerium Delessart wurde des Hochverrathes beschuldigt, gestürzt und der unglückliche Ludwig XVI. genöthigt, sein neues Mini­sterium aus Männern der Revolution zu bilden. General Dumouriez, der als ein Anhänger derselben galt, wurde Minister des Aeussern. Die Jacobiner hatten gesiegt und das Königtlium war seiner letzten Stütze beraubt. Dumouriez rieth dem Könige, in der National­versammlung den Krieg gegen den König von Ungarn und Böhmen zu beantragen, welchem Rathe der von allen Seiten verlassene und verrathene Monarch, der nirgends mehr einen sicheren Rückhalt zu finden wusste, am 20. April 1792 nachgab. Es war eine bewegte und stürmische Sitzung an diesem entscheidungsvollen Tage. Zwar fehlte es nicht an besonnenen Stimmen, welche zur Umkehr mahnten, doch die Jacobiner, frohlockend, endlich dem ersehnten Ziele nahe zu sein, Hessen derlei Regungen nicht aufkommen. Sie waren sich der Macht, die sie in den Händen hatten, bewusst und je lebhafter die Gefahren geschildert wurden, in welche Frankreich ein so leichtfertig unternommener Krieg bei dem Mangel einer gut disciplinirten Armee, der grossen Finanznoth und der isohrten politischen Stellung stürzen konnte, umso begeisterter wurde der Kriegsgedanke festgehalten. Die Versammlung schien von dem Bewusstsein erfüllt, dass man an einem jener grossen Wendepuncte der Geschichte angelangt sei, der über die Zukunft von Völkern und Staaten entscheide. Der Kampf grosser un­vereinbarer politischer Gegensätze sollte beginnen und der Ausgang desselben musste dem künftigen Jahrhundert seinen Charakter aufprägen. *) *) Circular-Schreiben des Fürsten Kaunitz an Seilern, Schlick, Westphalen und Lehrbach, Wien 13. April 1792. Vivenot I, 451.

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