Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1698. Quellen: Klein-Fessler, Geschichte von Ungarn. — Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Onno Klopp, Das Jahr 16b3 und der folgende grosse Türken- krieg. — Theatrum europaeum. — Hammer-Purgstall, Geschichte des osmanischen Reiches. — Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen. I. Serie, II. Band. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. Der mit Frankreich zu Ryswyck 1697 abgeschlossene Friede versetzte Leopold I. zwar in die Lage, seine ganze Streitmacht gegen die Türken verwenden zu können, aber die vollständige Entblössung von allen Geldmitteln und die durch lange Jahre von den Erbländern getragene Kriegslast machten schon die Completirung der Regimenter zur grossen Schwierigkeit. Für die Subsistenz und Ausrüstung der Armee entsprechende Fürsorge zu treffen, erschien ganz unmöglich, obwohl der Prinz von Savoyen in dieser Hinsicht keine Mühe scheute und kein Mittel unversucht liess. Aus den er­wähnten Gründen zeigte sich der Kaiser dem Frieden mit der Pforte, welchen zu vermitteln auch die Seemächte thätig waren, durch­aus nicht abgeneigt. Auch die Türkei, welche die Folgen der Schlacht von Zenta noch nicht hatte überwinden können, war des Krieges müde und strebte nur danach, sich bei einem Friedensschlüsse den Besitz mehrerer halb verlorener Gebiete zu sichern. Da es der kaiserlichen Armee am Nothwendigsten fehlte und die Auxiliar-Contingente sich von ihr getrennt hatten, wurde das Drängen des Prinzen Eugen von Savoyen nach einem Angriffe auf Belgrad von selbst gegenstandslos. Nachdem der Prinz, so viel überhaupt mög­lich war, für die Ausrüstung und Verproviantirung der Truppen gewirkt hatte, trat er selbst die Reise zur Armee an und traf am 2. August im Lager bei Kolluth ein, wo bereits 35.000 Mann ver­sammelt waren. Am 4. August wurde der Vormarsch auf der im Vorjahre eingehaltenen Route angetreten und gelangte die Armee am 21. in die Nähe von Peterwardein. Die Truppen blieben drei Tage in dem an der Stelle des heutigen Neusatz aufgeschlagenen Lager und rückten am 24. nach der im vergangenen Jahre be­zogenen Position von Kovil ab. Vom Feinde, der seit geraumer Zeit bei Belgrad stand, wurde nur so viel in Erfahrung gebracht, dass der Grosswesir Hussein Pascha seine abwartende Haltung unter keiner Bedingung aufgeben wolle. Da die vorgeschrittene Jahreszeit zum Handeln drängte, brachen die Kaiserlichen am 30. August von

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