Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug- 1695. 159 mit diesem Ober-Ungarn und Siebenbürgen zu decken. Im Kriegs­rath e machten sich jedoch über die nach der Maros einzuschlagende Marschlinie ganz entgegengesetzte Ansichten geltend und gegen die Vorschläge des FZM. Heister und anderer Generale entschied der Kurfürst, dass die Theiss bei Beese zu überschreiten und auf dem kürzesten Wege gegen die Maros zu marschirén sei. Friedrich August hatte den Bath erfahrener Heerführer verworfen, obwohl ihm diese die betreffende Landstrecke als wüst und von zahlreichen Sümpfen bedeckt geschildert hatten. Am 29. August brach die Armee aus ihrem Lager bei Peterwardein auf und die Infanterie ging in der nächsten Nacht über die Theiss, während die Reiterei am folgenden Tage nachrückte. Schon am 31. August jedoch kehrten vorausgesendete Detachements mit der Meldung zurück; das Land sei derart morastig, dass an ein Vorwärtskommen des Trains absolut nicht gedacht werden könne. Die Truppen mussten deshalb am 1. und 2. September wieder über die Theiss zurück und gaben durch ihre zwecklosen Bewegungen dem Feinde die Möglichkeit, einen Vorsprung von sechs Märschen zu gewinnen. Erst am 9. September lagerte die Haupt-Armee in der Gegend von O-Kanizsa. Inzwischen waren die Türken am 6. September ohne irgend welches Hinderniss vor Lippa eingetroffen, das eine kleine, zu der Ausdehnung des Platzes in gar keinem Verhältniss stehende Garnison hatte. Diese wurde vom Gegner im ersten Sturme über­wältigt und bis auf den letzten Mann niedergehauen. Durch die bisherigen Erfahrungen und den durch ihn verschuldeten Verlust von Lippa keineswegs belehrt, unternahm der Kurfürst von O-Kanizsa aus neue zeitraubende, von mehreren Rasttagen untei-- brochene, ganz zwecklose Märsche und Gegenmärsche. Noch immer wäre Friedrich August die Möglichkeit geboten gewesen, durch einen richtigen und energischen Schritt die Situation mit einem Schlage zu verbessern, da mit dem Falle von Lippa nicht allzu viel verloren war und Mustapha II. durch seine Vor­rückung von der kaiserlichen Haupt-Armee und dem Corps des FM.Veterani flankirt war. Leider unternahm aber der Kurfürst nichts, was Einsicht und Thatkraft geboten haben würden und der Sultan, das Missliche seiner Lage erkennend, konnte sich durch einen schnellen Rückzug nach Temesvár ohne Verlust aus derselben befreien. Als Lippa.

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