Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug- 1692. 145 Feldzug 1692. Quellen: Klein-Fessler, Geschichte von Ungarn. — Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Theatrum europaeum. — Röder von Diersburg, Des Markgrafen Ludwig von Baden Feldzüge wider die Türken. — Onno Klopp, Das Jahr 1683 und der folgende grosse Türkenkrieg. -— Hammer-Purgstall, Geschichte des os- manischen Reiches. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. — Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs, II. Jahrgang, 1877. Die Fortschritte der französischen Armeen in Savoyen xxnd Oberitalien zwangen den Kaiser Leopold I., die dort befindlichen Truppen durch Entsendungen von der Armee in Ungarn zu verstärken. Um die hei der letzteren entstandenen, ansehnlichen Abgänge wieder zu ergänzen, wurden mit verschiedenen auswärtigen Fürsten Verträge wegen Beistellung von Hilfstruppen abgeschlossen. Lüneburg, das die Kurwürde erhielt, stellte 6100, Münster 3500, Kurbayern 3000, Sachsen-Gotha 2000, Dänemark 2300 Mann und König Wilhelm III. von Grossbritannien sandte dem Kaiser aus eigenem Antriebe 2300 Mann irländischer Soldaten. Da die meisten dieser Truppen grosse Entfernungen zurückzulegen hatten, um nach Ungarn zu gelangen, so war der Beginn der Operationen erst spät zu erwarten, umsomehr, da auch die Türkei, durch den langen Krieg und die erlittenen schweren Verluste erschöpft, längere Zeit benöthigte, um eine schlagfertige Armee aufzubringen. Die Blokade von Grosswardein wurde den Winter hindurch fortgesetzt, ergab aber, da die Besatzung, trotz aller Wachsamkeit der Kaiserlichen, noch immer Lebensmittel aus Gyula zu beziehen vermochte, keinerlei Erfolg. GFWM. Graf Auersperg fasste deshalb den Entschluss, Gyula durch einen Handstreich in seinen Besitz zu bringen und dadurch den Fall von Grosswardein zu beschleunigen. Er sammelte bei Debreczin die Cavallerie-Regi- menter Saint-Croix, Doria und Truchsess, dann 1000 beritten gemachte Infanteristen und trat am 6. Januar 1692 den Vormarsch gegen Gyula an. In Berettyó-Ujfalu zog er noch sechs Heiducken- Compagnien des Obristen Molnár und einen Theil der raizischen Miliz an sich und gelangte, ohne vom Feinde wahrgenommen zu werden, bis auf eine Stunde von Gyula. Die Vertheidigungswerke des Platzes bestanden aus einer Citadelle und drei Palanken, welche, Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. 11