Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
290 K u 1 n i g g. Dem Feldherrn standen Generale, Legaten, zur Verfügung, welche fallweise Commanden und besondere Aufträge erhielten und meist von dem mit der obersten Führung Beauftragten nach eigenem Ermessen fürgewählt waren. Aus dem selbstgewählten Stabe sollte auch der General-Intendant, der Quästor, ausgelost werden. Die spätere Zeit der Cäsaren brachte auch in die Form und Organisation des Oberbefehls zahllose Aenderungen, die zu verfolgen indessen ohne sonderlichen Belang wäre. Die Eintheilung der römischen Armee in Legionen war die Grundform und verblieb es, so lange ein römisches Heer existirte. Sie ging hervor aus der ursprünglichen Volksclassen-Ein- theilung nach Besitz und Einkommen. Nur der Bürger, der Freie, der Civis romanus, war ursprünglich zum Kriegsdienste verpflichtet und berechtigt. Was neben diesen an Unfreien, Hörigen und Unterworfenen in den Reihen der Armee sich befand, diente nur als Knecht, Fuhrmann und dergleichen. Die römischen Legionen wurden theils durch eine bestimmte Nummer, theils durch irgend einen Beinamen, theils durch beides zugleich unterschieden. Es gab schon zu Augustus Zeiten mehrere Legionen mit derselben Nummer, die sich nur durch den Beinamen unterschieden, während wieder denselben Beinamen mehrere Legionen mit verschiedenen Nummern führten. So gab es, nach Dio Cassius LV, 23, unter Augustus drei Legiones tertiae, die»Galatica«,»Cyrenaica«und »Augusta«. Von Marc Aurel wurde eine secunda und eine tertia, beide mit dem Beinamen »Italica« errichtet. Es gab dabei nicht etwa drei italische Legionen verschiedener Nummern, sondern mehrere römische Legionen überhaupt mit der Nummer I, prima, mehrere mit der Nummer secunda oder tertia. Aber jede von diesen ersten, zweiten oder dritten Legionen hatte einen besonderen Namen und eine von ihnen hiess eben auch Italica. Kaiser Galba errichtete eine »prima adjutrix«, obgleich Nero schon jene »prima Italica« errichtet hatte. Oft war daher die Angabe sowohl der Zahl, als auch des Beinamens nöthig, immer stand der Beiname zuletzt. Man spricht daher nicht von einer legio Italica prima, secunda, tertia, sondern von der legio prima Italica und legio secunda Italica. Ihre Beinamen erhielten die Legionen theils von 50