Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution im Beginn des Jahres 1792. Als Einleitung zur Schilderung der Kriege Oesterreichs gegen die französische Revolution. Mit Benützung der Vorstudien zu dem in Bearbeitung befindlichen historischen Werke über Erzherzog Carl von Oberstlieutenant M. E. von Angeli
Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution 1792. 105 schon hoch bejahrt und weder besonderer geistiger, noch physischer Leistungen fähig; General-Lieutenant Lamortiére zählte 85, Marschall Luckner 70, Dagobert 75 und Rochambeau 67 Jahre. Wüthender Hass gegen den Adel, Denunciationen und die niedrigsten Leidenschaften, der Drang, dem Pöbel hei jedem Unglücke angeblich Schuldige zu opfern, um denselben nie zur Erkenntniss kommen zu lassen, dass der wahre Schuldige in den herrschenden Jacobinern und den geheimen Gesellschaften zu suchen sei, führten in einem einzigen Jahre 43 adelige Generale dem Blutgerüste zu; von hervorragenden Führern wurden während der ersten Kriegsjahre die Generale d’Estaing, Custine Houchard, Luckner, Westermann, Beysser, Beauharnais guillotinirt; was ausser diesen noch an Generalen der alten Armee übrig blieb, war entweder von geringer militärischer Bedeutung, wie der Herzog von Biron, Beurnonville, la Bourdonnaye etc. oder wie Dumouriez von zweifelhafter Verlässlichkeit. Selbst die Bewaffnung der Franzosen, insoweit dies die reguläre Armee betrifft, war schlechter als jene der anderen Armeen; es fehlten ihnen selbst die einfachsten, vorzüglich bei den österreichischen und preussischen Truppen eingeführten Verbesserungen am Gewehre. Ihre Artillerie genoss allerdings den begründeten Ruf vorzüglicher Ausbildung, allein bei der bedeutenden Vermehrung, welche diese Waffe in kurzer Zeit erfuhr, kann der Stamm geschulter Artilleristen kaum ausgereicht haben. Doch wusste der Convent die Artillerie an Zahl und Kaliber ihren Gegnern überlegen zu gestalten und Eines blieb vor Allem zu Gunsten der Franzosen stets unausgeglichen: die Menschenmassen, welche die Revolution ihren Feinden entgegenwarf. Zu den überraschenden Erfolgen der Franzosen musste aber ausserdem doch eine Reihe ausserordentlich günstiger Umstände einwirken und es waren ausser der Zerfahrenheit der Coalition, dem verspäteten Beginn des ersten Feldzuges, dem Zwiespalt in der Heeresleitung und den vielen Täuschungen, in denen man lebte oder zu welchen man sich durch die Versprechungen der Emigranten verleiten liess, doch auch wirklich vielfach rein militärische Verhältnisse, welche von entscheidendem Einflüsse auf die Leitung und auf die Resultate wurden.