Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
216 Feldzug 1707. Boica. Mühlbach. Konca. Drassó. Pferde zu erreichen. Die Kaiserlichen warfen sich aber den Insurgenten mit solchem Ungestüm entgegen, dass letztere, deren Anzahl auf 15.000 Mann geschätzt wurde, 1800 Todte, viele Gefangene und 15 Fahnen verloren. Die Sieger hatten ebenfalls schwere Verluste erlitten und an Todten und Verwundeten *171 Mann einge- büsst. Obrist Tige setzte seinen Marsch am 11. Februar fort und gelangte am 15. nach Hermannstadt, von wo aus er Fogaras verpflegen Hess und nach Möglichkeit die Eintreibung der von Rákóczi ausgeschriebenen Contributionen verhinderte. Als die Aufständischen den Verkehr der Kaiserlichen mit der kleinen Walachei durch die Besetzung des Rothenthurm-Passes versperrt hatten, entsendete Obrist Tige am 22. Juni den Obristlieutenant Baron Dalberg mit 160 Reitern und 200 Mann Fussvolk, um diese wichtige Verbindung wieder frei zu machen. Dalberg gelang es, die Insurgenten bei Boica zu überfallen und vollständig zu zersprengen. Schon nach drei Tagen musste ein neuer Streifzug angetreten werden, da die Besatzungen von Déva und Vajda-Hunyad nur mehr bis gegen Ende des Monats Juni mit Lebensmitteln versehen waren. Am 28. Juni marschirte, um die genannten Plätze zu verpflegen, Obrist Tige mit 450 Mann Infanterie und seiner gesammten Reiterei über Reussmarkt gegen Mühlbach und in der Nähe dieses Ortes stiess der kaiserliche Vortrab auf eine Abtheilung Kuruczen, welche jedoch schon nach einem kurzen Gefechte in die Flucht getrieben wurde. Da gefangene Insurgenten ausgesagt hatten, dass ihr Gros in der Stärke von 3000 Mann zwischen den Dörfern Konca und Drassó Stellung genommen habe, beschloss Tige einem etwaigen Angriffe derselben zu- zuvorkommen. Er Hess seine Truppen sofort die Front verkehren und gegen die Höhen vorgehen, auf welchen der Feind bemerkt worden war. Da dieser keine Infanterie bei sich hatte, Hess Tige nur einen Theil seiner Reiterei und die Raizen zum Angriffe vorrücken. Der Gegner wartete diesen aber gar nicht ab, sondern floh in vier Haufen dem nahen Walde zu. Hierbei wurde eine Schaar durch die Kaiserlichen abgedrängt und verlor 200 Mann, die von den Raizen niedergemacht wurden und ihren Anführer, der in Gefangenschaft gerieth. Déva und Vajda-Hunyad wurden mit Proviant versehen und am 6. Juni gelangte das Detachement wieder nach Hermannstadt. Pekri, der mit bedeutenden Streitkräften bei Karlsburg gestanden, batte es nicht gewagt, den Marsch Tige’s zu stören. Später