Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1706. 205 gegen Komorn an, wo er am 13. September die Waag überschritt. In Komorn erhielt Starhemberg die Meldung von der Capitulation der Festung Gran. Da die Insurgenten hiedurch einen gesicherten Donau-Uebergang gewonnen und den Kaiserlichen die Verbindung zwischen Komorn und Ofen unterbrochen hatten, beschloss der Feldmarschall ohne Säumen die Wiedereroberung jenes wichtigen Platzes. Am 26. September ging Starhemberg unweit Komorn über die Donau und erschien schon am folgenden Tage vor den Ver­schanzungen des Brückenkopfes Karva-Neudorf. Da die Be- schiessung der Werke kein besonderes Resultat ergab, gingen die Kaiserlichen sogleich zum Sturme über. Dieser wurde umfassend und mit solchem Ungestüm ausgeführt, dass die Kuruczen die Ge­wehre wegwarfen und flohen. Der Rákóczi’sche Brigadier Chassan wurde mit mehr als 100 Mann gefangen genommen und das ganze Geschütz der Insurgenten, zehn Kanonen und ein Mörser, erbeutet. Die Kaiserlichen hatten ihren Erfolg mit einem Verluste von kaum 20 Mann an Todten und Verwundeten erkauft. Noch am 28. Sep­tember Hess Starhemberg den Thomas- und Georgsberg besetzen, von welchen aus die Südseite des Graner Schlosses angegriffen werden sollte. Die Kaiserlichen benützten zu ihren Angriffsarbeiten die von den Insurgenten nur mangelhaft zugeschütteten Laufgräben. Nach dem Eintreffen des Belagerungsgeschützes aus Komorn und Ofen wurden je zwei Batterien auf dem Thomas- und auf dem Georgsberge armirt und das Feuer gegen die Festung eröffnet. Dasselbe wurde in den ersten Tagen von den Vertheidigern in überlegener Weise erwidert und es schien, als wenn die Besatzung zum hartnäckigsten Widerstande entschlossen wäre. Desto mehr musste es überraschen, als Obrist Bonafoux sich schon am 9. Octo­ber zur Uebergabe des Platzes bereit erklärte, welcher Antrag vom FM. Starhemberg alsbald angenommen wurde. Die Belagerung von Gran hatte den Kaiserlichen an Todten und Verwundeten kaum 120 Mann gekostet. Als Besatzung blieb ein Bataillon vom Regi­mente Friesen unter dem Obristen Baron Bruggenthal daselbst zurück. Starhemberg, der von Rabutin ganz ohne Nachricht gebheben war, trat am 13. October den Rückmarsch nach der grossen Schütt an, wo er am 16. bei Csicsó ein Lager bezog. Hier empfing er die Meldung, dass General Freiherr von Pfeffershofen von Ofen aus die Schanze und Brücke bei Solt zerstört und dadurch die Insur­Karva­Neudorf. Gr an.

Next

/
Thumbnails
Contents