Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
140 Der zweite Krieg- Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Pocsaly. Grosswardein. Grosswardein, da Temesvár, mitten in einer sumpfigen und ungesunden Gegend gelegen und von den benachbarten Plätzen Jenő, Gyula und Grosswardein gedeckt, zu viele Schwierigkeiten bot. Der Markgraf liess den FM. Herzog von Croy mit vier Cavallerie- und fünf Infanterie-Regimentern , dann die Husaren Batthyányit in Slavonien zurück und brach mit dem Reste der Armee, nur mehr 14.000 Mann, am 24. August vom Schlachtfelde bei Slan- kamen auf. Er überschritt am 6. September die Donau und mar- schirte über Zenta und Szegedin nach Szolnok, wo die Armee am 22. ankam. Hier wurde bis 26. September auf das von Ofen und Erlau abgesendete Belagerungsgeschütz gewartet, sodann am 27. die Theiss überschritten und, mit Umgehung der Sümpfe an der Körös, Pocsaly am Berettyó erreicht. Bei diesem Orte stiess am 28. September die kaiserliche Vorhut unter GFWM. Graf Auersperg auf 600 ungarische Insurgenten und sprengte diese auseinander. Die Armee zog bei Pocsaly noch zwei Dragoner-Regimenter an sich und setzte hierauf den Vormarsch gegen Bihar, wo sie am 10. October eintraf, fort. Die Festung Grosswardein bestand aus der eigentlichen Stadt, der in der östlichen Umfassung derselben situirten Citadelle und der Palanka Olaszi auf dem rechten Ufer der Körös. Die eigentliche Stadt war mit einer Mauer umgeben, welche flankirende Th ürme verstärkten und von den Flüssen Körös und Pece umflossen. Die durch einen Wassergraben von der Stadt getrennte Citadelle bildete ein regelmässiges Fünfeck mit einem Reduit im Innern, während die Palanka Olaszi nur Erdwerke und einen vorliegenden trockenen Graben besass. Das Terrain im Süden der Festung war durch ausgedehnte Sümpfe unpraktikabel, dafür kamen aber die im Nordosten des Platzes befindlichen dominirenden Höhen den Angreifern zu statten. Am 11. October recognoscirte der Markgraf die Festung und am folgenden Tage liess er dieselbe am rechten Ufer der Körös umschliessen und auf dem Stephansberge eine aus zehn Kanonen und zwei Mörsern bestehende Belagerungs-Batterie errichten. Am 13. October eröffneten 1500 Soldaten zwischen der Strasse von Bihar und der von Szent-Jobb die Laufgräben und gleichzeitig wurde eine zweite Batterie, von 7 Geschützen und eine Redoute