Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

136 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Sémiin. Slankamen. derblichen niederungarisclien Klimas ausserordentHch viele Kranke zählten, neuerdings auf und gelangten am 5. nach Slankamen, in dessen Nähe durch drei Tage gerastet wurde. Unter fortwährenden Scharmützeln mit der feindlichen Eeiterei marschirte die Armee am 10. August weiter gegen Sémiin, wo wieder Halt gemacht werden musste, da viele Leute dem Sonnenstiche erlegen waren und Ruhr und Fieber die Reihen täglich mehr und mehr lichteten. Am 12. August gelangten die Kaiserlichen bei Sémiin vor die ver­schanzte Stellung des Grosswesirs, welche sich mit dem rechten Flügel, an die Donau, mit dem linken an die Save lehnte und durch eine starke Brustwehr und vorliegenden Graben gedeckt war. 200 Geschütze, darunter 60 schweren Calibers, die der Grosswesir aus Belgrad hatte herbeiführen lassen, waren derart aufgestellt, dass der Angreifer allenthalben unter Kreuzfeuer genommen werden konnte. Unter solchen Umständen durfte nicht daran gedacht werden, mit kaum 45.000 Mann den mindestens 100.000 Mann starken Gegner anzugreifen, weshalb auch der Markgraf, nach einer am 13. August vorgenommenen Recognoscirung, am 14. August wieder von Sémiin zurückging, am 15. in geringer Entfernung von diesem Platze lagerte und am 16. und 17. den Rückmarsch längs der Donau fortsetzte. Der Grosswesir, der am 15. noch ruhig in seiner Stellung geblieben war, brach am 16. zur Verfolgung des Markgrafen auf, der, gedrängt von den Türken, bei Slankamen eine Stellung, die sich links an die Donau, rechts an eine ziemlich tief eingerissene Schlucht lehnte, nahm. Markgraf Ludwig erwartete hier den Angriff des Grosswesirs, allein dieser Hess einen Theil seiner Reiterei zur Maskirung den Kaiserlichen gegenüber und führte — wahrscheinlich nach dem Rathe Thököly’s und der im türkischen Lager in grosser Anzahl anwesenden französischen Officiere handelnd — sein Heer in der Nacht vom 17. auf den 18. August um die kaiserliche Armee links herum und bezog in deren Rücken eine neixe, auf einer Anhöhe befindliche Position, die er sofort mit einem Gürtel zweckmässig angelegter Schanzen umgab. Der Markgraf, von seiner Rückzugs­linie und seinen Magazinen total abgeschnitten, musste eine voll­ständige Front Veränderung vornehmen und in dieser gefährlichen

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