Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

132 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Bodzaer­Pass. Esseg. brach. Markgraf Ludwig wieder zur Verfolgung des Gegners auf und trieb diesen von einer Stellung zur anderen bis dicht an die moldauische Grenze, die er am 22. October erreichte. Die Nachricht von dem Verluste^ von Belgrad veranlasste die kaiserlichen Generale in einem Kriegsrathe die Erklärung abzugeben, es solle die weitere Verfolgung eingestellt und, unter Herausziehung aller Truppen aus Siebenbürgen; der Abmarsch nach Ober-Ungarn angetreten werden. Als der Markgraf erfuhr, dass Thököly, der bereits nach der Walachei abgezogen war, umgekehrt sei und abermals gegen Kron­stadt marschire, Hess er sein Fussvolk zurück und ging mit der Reiterei allein den Insurgenten entgegen. Nach zwei Gewaltmärschen gelangte er auf die Strasse nach Fogaras und Thököly, längs der Oltu vorrückend, stiess ganz unvermuthet am 25. October auf seinen Gegner. Ohne einen Schuss abzugeben rissen die Malcontenten aus und Hessen ihren Train in den Händen der Kaiserlichen, welche die Fliehenden bis in den Bodza er-Pass verfolgten und sic in einzelnen kleinen Haufen nach der Walachei trieben. Zum Glücke für die kaiserlichen Truppen blieb der Gross­wesir auf dem rechten Ufer der Donau stehen und begnügte sich damit, den Pascha von Bosnien zur Belagerung von Esseg, ein Corps von 10.000 Mann zum Entsätze der blockirten Plätze Temesvár, Békés-Gyula und Grosswardein abzusenden und ausser­dem Belgrad mit einer Garnison von 8000 Mann zu versehen. Die Belagerung von Esseg war von sehr kurzer Dauer, da die Generale Croy und Guido Starhemberg, die den Platz trefflich vertheidigten, am 5. November ausfielen und den Angreifern so grossen Schaden zufügten, dass der Pascha schleunig wieder abzog. Markgraf Ludwig von Baden übergab nun das Commando in Siebenbürgen dem G. d. C. Grafen Veterani, bei dem er sein ganzes Fussvolk zurück Hess, und trat mit 11 Reiter-Regimentern über Klausenburg und Szatmár-Németi den Marsch nach Ober-Ungarn in die Winterquartiere an. Inzwischen hatte das über die Donau gesendete türkische Corps die blockirten Plätze entsetzt und die diesem Corps beigegebenen Tataren streiften bis Debrecin und Nagy-Kálló. Nachdem sie die Kaiserlichen in den Winterquartieren alarmirt hatten, brachen die Tataren über Szilagy-Somlyó in Sieben-

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