Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1690. 127 Dieser Wechsel des Kriegsglückes wurde theils durch den von Ludwig XIY. begonnenen Krieg am Rhein, theils durch den Ein­fluss des am 2. November 1689 neu ernannten Grosswesirs Mustafa Köprili herbeigeführt. Während die kaiserlichen Truppen in Ungarn durch Mangel aller Art an Zahl und Schlagfertigkeit mehr und mehr herunter­kamen, wusste Köprili das Selbstvertrauen der Türken neu zu be­leben und in wenigen Wochen ein grosses Heer in das Feld zu stellen. Er hielt hierauf einen Kriegsrath in Adrianopel, in welchem sofort der Beschluss zum Angriff gefasst wurde. Unglücklicherweise war nach dem Tode des tüchtigen FML. Piccolomini kein kaiserlicher General in Altserbien vorhanden, der bis zum Eintreffen des vor Vidin verwundeten FML. Veterani das Commando über die dortigen exponirten Truppen mit Aussicht auf Erfolg zu führen vermocht hätte. GFWM. Herzog von Holstein, der das Interims-Commando übernommen hatte, verzettelte die ohnehin schwachen Truppen in Garnisonen und Streifzügen nur noch mehr und führte dadurch den Verlust von Pirot und Kacanik herbei. Bei letzterem Orte erlitten die Kaiserlichen am 2. Januar 169Q eine empfindliche Niederlage, bei welcher der Obrist Strasser und Prinz Karl von Hannover am Platze blieben und ein Corps von 3500 Mann fast vollständig aufgerieben wurde. Die Türken be­setzten hierauf Pristina, Novibazar u. a. Orte und zwangen den Herzog von Holstein zur Flucht nach Nisch. Eben noch rechtzeitig traf FML. Veterani bei den Truppen ein; er sammelte dieselben und deckte mit ihnen Nisch, so dass dieser Platz bis in den Sommer dem Kaiser erhalten blieb. Diese Unfälle, welche die Kaiserlichen betroffen hatten, ver- anlassten den Fürsten Brankovan zum völligen Bruche des mit dem Markgrafen von Baden geschlossenen Vertrages. Da er die Lieferung der Lebensmittel verweigerte und ein entschieden feind- séliges Betragen an den Tag legte, fand es FML. Heissler für ge- rathen, seine Regimenter aus der Walachei nach Siebenbürgen zurückzuziehen. Als Fürst Michael I. Apafi, der in letzter Zeit standhaft zur Partei des Kaisers gehalten hatte, am 15. April starb, ernannte Mustafa Köprili, unter Ausschliessung des jungen Apafi von der Nachfolge, den Grafen Thököly zum Fürsten von Siebenbürgen. Kaianik.

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