Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1689. 123 Batocina. Nisch. Feindes zu umgehen suchten. Um der drohenden Ueberflüglung zu entgehen, verhess der Seraskier auch die zweite Stellung und eilte in sein bei Batocina aufgeschlagenes Lager zurück. Der Mark­graf folgte schleunig nach und liess die fliehenden Türken durch den GFWM. Castell und den Obristen Zandt mit drei Dragoner- Regimentern so lange verfolgen, bis endlich die Ermüdung der Truppen und die einbrechende Nacht dem Kampfe ein Ende machte. In dieser sogenannten Schlacht bei Batocina verlor der Seraskier 3000 Todte und Gefangene, sein ganzes Lager, 108 Ge­schütze und seinen gesammten Train, während die Kaiserlichen an beiden Gefechtstagen kaum 400 Todte und Verwundete ein- büssten. Neuerlicher, drückender Mangel an Proviant nöthigte den Markgrafen, bis 11. September im Lager bei Batocina stehen zu bleiben. Da ihm Bespannungen vollständig fehlten, konnte er nicht einmal die eroberten Kanonen nach Semendria abführen lassen. Dadurch erhielt der Seraskier Zeit, die Lücken seines Heeres durch die bei Sofia stehenden Reserven zu ergänzen und seine demo- ralisirte Armee neu zu organisiren. Er setzte hierauf Nisch in Ver- theidigungsstand und bezog vor dieser Stadt ein stark befestigtes Lager. Nachdem sich der Markgraf die Verbindung mit dem linken Donau-Ufer durch eine Schiffbrücke bei Semendria gesichert hatte, trat er abermals den Vormarsch gegen Jagodina an, wo er am 16. September die Morava überbrücken liess und sodann die Vor­rückung über Paracin und Aleksinac gegen Nisch fortsetzte, vor welchem Platze er am 22. September eintraf. Eine Recognoscirung der feindlichen Stellung verschaffte dem kaiserlichen General die Ueberzeugung, dass der Seraskier, der 40.000 Mann bei sich hatte, in der Front nicht angegriffen werden könne, selbst dann nicht, wenn der Markgraf über ein gleich zahlreiches Heer und nicht wie es thatsächlich der Fall — blos über 17.000 Mann verfügt hätte. Ludwig von Baden fasste deshalb den verwegenen Entschluss unter Aufgebung der eigenen Rückzugslinie, die türkische Auf­stellung links zu umgehen und letztere von ihrem rechten Flügel her aufzurollen. Um seinen Plan zu verbergen, liess er gegen den linken feindlichen Flügel demonstriren und verleitete durch dieses Manöver den Seraskier, eine starke Truppenabtheilung an der Nischava in der Verlängerung seiner Front aufzustellen. Am 24. Sep­9*

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