Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug; 1688. 109 Feldzug 1688. Quellen: Klein-Fessler, Geschichte von Ungarn. — Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Theatrum europaeum. — Röder von Diersburg, Des Markgrafen Ludwig von Baden Feldzüge wider die Türken. — Onno Klopp, Das Jahr 1683 und der folgende grosse Türkenkrieg. — Hammer -Pargstall, Geschichte des osmanischen Reiches. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. Der Winter 1687/88 verlief etwas ruhiger als es bisher der Fall gewesen und die Mehrzahl der Truppen verbheb unbeschäftigt in ihren Quartieren. Nach dem Falle von Erlau erhielten die zur Blockade von Munkács verwendeten Regimenter ansehnliche Verstärkungen. Die Aussichtslosigkeit eines längeren Widerstandes und das Drängen ihrer eigenen Umgebung bewogen endlich auch die heldenmüthige Helene Thököly, das wichtige Munkács mit einer Besatzung von 600 Mann und 45 Geschützen am 17. Januar 1688 an den General Caraffa zu übergeben. Mit der Capitulation von Munkács verlor Thököly, dessen schwacher Anhang zudem vom General Heissler bei Grosswardein wiederholt geschlagen worden war, seinen letzten Stützpunct in Ungarn. Der Kaiser ernannte den Obristlieutenant Grafen Jörger zum Befehlshaber von Munkács. Da sich in der Türkei Unruhen und Truppen-Aufstände fortwährend wiederholten und die Wehrkraft dieses Staates vollständig zu lähmen drohten, ausserdem das Verhältniss zu Frankreich im Anfänge des Jahres 1688 'noch ein derartiges war, dass ein unmittelbar bevorstehender Krieg in Westdeutschland kaum vorausgesetzt werden konnte, wollte Leopold I. die Belagerung von Belgrad, welche schon im abgelaufenen Jahre in das Auge gefasst worden, nicht länger aufschieben, da durch sie die Eroberung von Ungarn und Siebenbürgen ihren Abschluss fand und eine Basis geschaffen wurde, von welcher aus es möglich ward, den Krieg über die Balkanländer auszudehnen. Der Kriegsplan für das Jahr 1688 gestaltete sich überaus einfach. Die Hauptarmee sollte sich mit 40.000 Mann bis Ende Mai bei Esseg concentriren und von dort aus den Vormarsch gegen Belgrad an treten; ein Corps von 6000 Mann unter dem Markgrafen Ludwig von Baden sollte rechtzeitig in Bosnien einbrechen und am rechten Ufer der Save gegen Belgrad operiren, endlich gedachte man Siebenbürgen mit 4000 Mann unter dem General Veterani besetzt zu halten. StuhlMunkács.