Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Esseg­armee bis zum 20. Mai bei Gran, das Corps des Kurfürsten zur gleichen Zeit bei Szolnok zu concentriren. Diejenigen Regimenter, welche ihre Winterquartiere in Innerösterreich erhalten hatten, sollten ein eigenes kleines Corps bilden, unter dem FML. Grafen Thum längs der Drau gegen Fünfkirchen marschiren und sich dort mit der Hauptarmee vereinigen. Wie bisher immer, erfuhr auch diesmal die Truppen-Concen- trirung mancherlei Verzögerungen. Als der Herzog von Lothringen im Anfänge des Monates Juni in Gran eintraf, fand er daselbst erst 15.000 Mann vor. Ohne die weiteren Zuzüge abzuwarten, brach er mit den 15.000 Mann sogleich gegen Esseg in der Ab­sicht auf, ein dort isolirt stehendes türkisches Corps noch vor der Ankunft des Grosswesirs Suleiman zu erreichen und zu schlagen. Lothringen wollte den Markgrafen Ludwig von Baden, der mit einigen Regimentern bei Pest stand und eben den Marsch nach Szolnok anzutreten im Begriffe war, zum Zwecke dieser Unter­nehmung an sich ziehen, stiess aber auf die entschiedene Weigerung dieses Generals, der Ober-Ungarn unter keiner Bedingung von Truppen ganz entblösst wissen wollte. Lothringen setzte nun seinen Marsch allein gegen Süden fort und gelangte um dieselbe Zeit nach Därva, als der Kurfürst sein Corps bei Szolnok in schlag­fertigen Zustand versetzt hatte und der Grosswesir mit einer Armee von 40.000 Mann, meist neu ausgehobener Soldaten, bei Peterwardein eingetroffen war. Auch die Vereinigung der kaiser­lichen Hauptarmee mit dem Kurfürsten von Bayern ging nicht ganz ohne Reibungen und Schwierigkeiten vor sich. Der Kurfürst hatte eigene Kriegspläne, die er in Wien durchzusetzen strebte und nur die Verarmung des Theisslandes und die Unmöglichkeit einer Zufuhr des Proviants nöthigten ihn endlich, sich doch der Donau zu nähern und wider Willen die Absichten des Herzogs von Lothringen, der bei Baja eine Brücke hatte schlagen lassen, zu unterstützen. Die Vereinigung mit Lothringen erfolgte am 16. Juli bei Valpovo auf dem rechten Drau-Ufer. Von hier aus setzte die vereinigte Armee, min 57.000 Mann, unter fortwährenden Scharmützeln mit Tatarenschwärmen, die Vorrückung gegen Esseg fort. Nack einem anstrengenden Marsche durch Sumpf und Wald, erschienen die Kaiserlichen am 18. Juli vor Esseg, wo sie die türkische Armee, beide Flügel an die Donau gelehnt,

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