Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

seines Corps im Lager ein und besetzte die der Wasserstadt im Norden gegenüberliegenden Höhen. Der Herzog von Lothringen hielt am 31. August einen Kriegs­rath, in welchem ein dritter Generalsturm beschlossen wurde. Am frühen Morgen des 2. September rückten die zu diesem Sturme commandirten Truppen in aller Stille in die Approchen ein, während das Geschütz der Belagerer die türkischen Pallisaden wegfegte. Wenige Minuten nach 3 Uhr Nachmittags gaben 18 Kanonen­schüsse das Sturmsignal und drei Colonnen liefen im Nordwesten, 600 Bayern auf der Schlossseite an. GFWM. Diependael stürmte gegen die, rechts vom grossen Eckrundeil neu entstandene »Kaiser­bresche«, Obrist Spinola vom eroberten Eckrundeil herab und der brandenburgische General Barfus, dem die Schweden zugetheilt worden, gegen das Graner-Thor. Die beiden Flügel-Colonnen brachen im ersten Anlaufe durch und machten der mittleren Colonne, die aufgehalten worden war, Luft. Ueberall fochten die Türken mit verzweifelter Tapferkeit und auf der Schlossseite wurde der Sturm des Kurfürsten von Bayern auch wirklich von ihnen ab­geschlagen. Auch ein zweiter Versuch, den Max Emanuel mit 600 Mann der Reserve unternahm, misslang. Mittlerweile waren die Kaiserlichen und deren Verbündete in immer grösseren Massen in die Festung eingebrochen; sie hatten beim Wiener-Tliore, wo Abdurrahman Pascha mit dem Reste der Janitscharen den Tod fand, und in der Judengasse den hartnäckigen Widerstand der Gegner überwältigt und sich in einem furchtbaren Gemetzel den Weg bis zum Schlosse gebahnt, in welchem sie den Bayern ein Thor öffneten. Von allen Seiten ergossen sich nun die Stürmenden durch die Räume des Schlosses und trieben die Türken in einem inneren Zwinger zusammen, in welchem sie entweder niedergeschossen oder mit Granaten beworfen wurden. Erst nach längerer Zeit liess der Kurfürst der Metzelei Einhalt thun und dem Reste der Besatzung Schonung des Lebens zusichern. Der Grosswesir hatte sein Lager viel zu spät verlassen und fand, als er mit seinem Heere vor Ofen erschien, die Festung in Flammen und im Besitze der Verbündeten. Er ging sogleich gegen Promontor zurück, sandte Verstärkungen nach Stuhlweissenburg und trat dann den Rückzug gegen Esseg an.

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