Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (Neue Folge, 1888)

Hauptmann Machalicky: Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821

Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821. 61 Aus diesen beiden Garnisonen wurden kleine Streif-Detachements zur Säuberung der Gegend an die Etapenlinie der Armee abge­sendet, während man auf derselben zur Vermittlung des Brief- Ordonnanzdienstes und Bedeckung der Couriere eine Ordonnanz- Curslinie aufstellte. Eine continuirliche Sicherung der Hauptverbindung erfolgte überdies durch die in Marsch-Bataillonen nachrückenden Ergän­zungen aus dem Inneren der Monarchie. Ohne irgend eine Verzögerung, mit der grössten Ordnung und Raschheit ging der Vormarsch der Armee vor sich, wiewohl die schlechte Beschaffenheit der Strassen,1) der theilweise Mangel an Unterkünften und andauernde, nur selten durch Rasttage unter­brochene starke Märsche ganz aussergewöhnliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit der Truppen stellten. In kurzer Zeit wurden grosse Strecken zurückgelegt, nament­lich zwischen 10. bis 22. Februar, während welcher Zeit die Téten der Armee aus dem Lombardo-Venetianischen bis in den Raum von Foligno—Civita Castellana vordrangen.2)' Dabei war der Gesundheitszustand der Truppen ein vorzüg­licher. Wallmoden’s Division beispielsweise, mit einer Durchschnitts­J) Schon im Aufmarschraume der Armee waren die Wege in Folge anhal­tender Regengüsse bodenlos. Wie schlecht die Strasse über den toscanisclien Apennin gewesen, geht daraus hervor, dass die an der Tete marsehirende Divi­sion Stutterlieim schon am Nordfusse des Gebirges, in Pianora, eine ständige Vorspanns-Reserve von 50 bis 60 Paar Ochsen aufstellen musste, um die Trains in kleinen Abtheilungen über die steilsten Stellen bis auf die Kammhöhe hinauf­zubringen. 2) So legte z. B. die Division Wallmoden in dieser Zeit den 367 km langen Weg von Modena über Bologna—Ancona nach Foligno zurück, wobei auf zwölf Marschtage nur ein Rasttag entfiel, die Vorhut zwischen Bologna und Sini- gaglia Märsche von 43 bis 48 km ausführte und die linke Seitenhut von Ancona bis Foligno ausserordentliche Terrainschwierigkeiten zu überwinden hatte. (Wall­moden an Frimont, K. A. 1821, II. 101.) Stutterlieim’s Division marschirte in derselben Zeit, in elf Marsch- und zwei Rasttagen, die 396 km lange Strecke von Bologna bis Civita Castellana— Borghetto und kam während dieser Zeit nur viermal unter Dach. Die stärkste Leistung vollführte das Gros der Armee selbst. Die Tete- Division Wied legte vom 10. bis 21. Februar in elf Märschen mit nur einem Rasttag 416 km zurück, durchschnittlich täglich 38 km. (Von Carpi bis Foligno, beziehungsweise Trevi.)

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