Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
Bosnien und Montenegro 1853. 87 Consequenzen jenes türkischen Uferbesitzes mitten innerhalb der dalmatinischen, bisher ausschliesslich österreichischen Gewässer vorzubeugen. Je mehr die Türken Gelegenheit hätten, hiess es, sich zu überzeugen, dass es Oesterreich mit der Aufrechthaltung des status quo in den gedachten Gewässern Ernst sei, desto eher sei zu erwarten, dass sie von einer beabsichtigten Unternehmung dahin abstehen würden. Den augenfälligsten Beweis des diesfälligen festen Entschlusses würden aber die Türken — sagte Graf Buol1) — durch die Aufstellung einer hinlänglichen Anzahl kaiserlicher Kriegsschiffe erhalten, da man nicht blos auf die Kräfte Omer Pascha’s, sondern auch auf das mögliche Erscheinen türkischer maritimer Streitmittel zu reflectiren habe. In Folge dessen wurde am 14. April 1852 FM. Graf Radetzky ermächtigt, wenn die Verhältnisse in den an Dalmatien grenzenden türkischen Provinzen oder in Dalmatien selbst es erheischen sollten, die dortigen Truppen ohne weitere Anfrage durch zwei Bataillone des 6. Armee-Corps verstärken zu lassen und mittelst Dampfschiff nach Dalmatien zu entsenden. Gleichzeitig wurde das Marine-Ober-C'ommando angewiesen, zur Transportirung von Truppen nach Dalmatien im Falle eines Bedarfes dem dortigen Truppen-Commando den Dampfer »Vulkan« zur Verfügung zu stellen. Ausserdem hatte die Brigg »Montecuccoli« im Seegebiete von Kiek, die Brigg »Pylades« in jenem von Topla zu stationiren und in den nächsten Gewässern zu kreuzen. Endlich sollte der Dampfer »Sta.Lucia« dem dalmatinischen Landes-Militär-Commando zur Disposition gestellt werden.2) Die Ereignisse in Montenegro, die Bewegungen der Truppen in Bosnien und in der Hercegovina, endlich die steigende Aufregung unter der christlichen Bevölkerung dieser Länder zwangen jedoch Oesterreich bald zur Entfaltung grösserer Kräfte an seinen Grenzen und zu grosser Aufmerksamkeit. Es ist nicht ohne Interesse, dass der Banus FZM. Freiherr von .1 ellacic die Vorgänge in den türkischen Provinzen benützte, um einem längst gehegten Wunsche Ausdruck zu geben und die Noth wendigkeit einer telegraphischen ') K. A. 1852, Fase. 2, 3. 2) K. A. 1852, Fase. 4, Nr. 2.